Ein fränkisch-barocker Rosengarten

Bewundernswerte GärtenDer Garten von Christa und Martin Schlegelmilch an der Zeiler Stadtmauer ist ein Blickfang – auch jetzt im Spätsommer. Die Blütezeit von Bobbie James, Santanaund den anderen 60 bis 70 Rosensorten ist zwar schon vorbei, aber man kann dennoch erahnen, in was für ein Blütenmeer sie den Garten im Frühjahr verwandeln. Rosen über Rosen blühen dann in den verschiedensten Farben und locken zahlreiche Zaungäste an. „Unser Garten ist als fränkisch-barocker Rosengarten an der Stadtmauer angelegt“, erklärt Christa. Mit dem Rosenpavillon im Zentrum haben die beiden versucht, diesen Eindruck noch zu verstärken.  Ein Garten muss blühen und leben – das steht für Christa außer Frage. Steinwüsten, wie sie manche um ihre Häuser anlegen, damit kann die pensionierte Biologie- und Chemie-Lehrerin nichts anfangen.

Dabei ist der Garten der beiden keinesfalls nur schön anzuschauen. Auf einer Streuobstwiese im hinteren Teil stehen verschiedene Obstbäume. Gurken, Kürbisse, Zucchini und Paprika wachsen in zwei der vier mit Buchs eingefassten Feldern rund um den Rosenpavillon. „Was Gemüse angeht sind wir vollkommen autarke Selbstversorger“, erklärt Christa. In ihrer Verzweiflung, wohin mit dem ganzen Obst und Gemüse, geht die Zeilerin mittlerweile auf Märkte und verkauft eingemachte Marmeladen, Aufstriche und Liköre.

Bewundernswerte GärtenDennoch verbinden sie mit ihrem Garten keine Arbeit. Für die beiden Unterfranken ist er vor allen Dingen eins: Lebensfreude. Auf den schon oft gehörten Satz „Ach Gott macht der eine Arbeit“ hat das Ehepaar daher eine ganz einfache Antwort: „Wenn es Arbeit wäre, dann würden wir es nicht machen.“ Ein schöner Ausgleich, Ablenkung und Entspannung – das sehen sie in ihm. Als Rheumapatienten hat Christa oft Schmerzen. Wenn sie in ihrem Garten arbeitet, natürlich nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sind diese wie weggeblasen. „Da kann man so vor sich hin philosophieren“, ergänzt der pensionierte Berufsschullehrer. Wobei die Leidenschaft auch ihre Grenzen hat. Sie lassen sich von ihrem Garten nicht tyrannisieren, so Martin. Wenn sie verreisen wollen, dann machen sie das auch.

Ein bisschen sehen sie den Garten an der Zeiler Stadtmauer aber auch als eine Art Verpflichtung. „Er ist schon 150 Jahre alt und seit Generationen in Familienbesitz“, erklärt Christa, die den Garten von ihrem Vater übernommen hat. Ein System, wie es die Tochter in den Garten gebracht hat, hatte der Vater nicht. „Wenn man einen schönen Garten haben möchte, braucht man ein Konzept, sollte sich von Experten beraten lassen und auch ein bisschen Geld in die Hand nehmen“, erklärt Christa. Und Martin ergänzt: „Was unseren Garten außerdem auszeichnet, daran haben wir aber eigentlich keinen Anteil. Denn das ist die alte Stadtmauer aus dem frühen 15. Jahrhundert.“ Diese gebe ein wunderschönes Bild ab und sei Gold wert, weil sie im Frühjahr die Wärme speichert. ♥

Ein Garten für die einheimische Natur

Bewundernswerte Gärten

Foto: Markus Gastl

7.500 Quadratmeter – so groß ist der „Hortus Insectorum“ von Markus Gastl aus Mittelfranken. Eine riesige Fläche. Im Vergleich: Ein Standardfußballfeld hat eine Größe von 7.140 Quadratmetern. Ganz schön viel Arbeit für den gelernten Krankenpfleger? Tatsächlich halten sich Aufwand und auch die Kosten gering. Wie das? Sein Garten ist nach einem ganz bestimmten Prinzip aufgebaut. „Das Besondere an meinem ‚Hortus Insectorum‘ ist, dass er nach dem Drei-Zonen-Prinzip – ein Gartenmodell, das von mir entwickelt wurde – aufgebaut ist und dass in ihm zu 98 Prozent nur einheimische Pflanzen blühen“, erklärt Markus. Wäre sein Garten ein typisches Staudenbeet mit fremdländischen Pflanzen, wäre Markus wohl Tag und Nacht am Gärtnern. Doch Geranien, Englische Rosen, Lavendel etc. sucht man bei ihm vergeblich. Trotzdem seien die Besucher seiner Gartenführungen immer wieder aufs Neue begeistert von dem  Blütenmeer und den Schwärmen an Schmetterlingen und Insekten, die seinen „Hortus Insectorum“ zu einem lebendigen Ort der Artenvielfalt machen. „Dass was unser Leben typisch und einmalig macht, geht immer mehr verloren. Das finde ich schade. In meinem Garten rücke ich deshalb die einheimische Natur mit ihren verschiedenen Pflanzen und Tieren wieder in den Fokus“, erzählt Markus. Witwenblumen, Flockenblumen, Wilde Möhre, Kartäuser- und Heidenelke – wer im Sommer über seine Wiese in der sogenannten „Hot-Spot-Zone“ läuft, kann dort bis zu 40 unterschiedliche, einheimische Blumen bewundern, die durch ihre Blüten wiederum die verschiedensten einheimischen Insekten anlocken.

Bewundernswerte Gärten

Foto: Markus Gastl

Die Idee zum „Hortus Insectorum“ beruht auf einem Versprechen, das er sich nach einer zweieinhalbjährigen Reise mit dem Rad von Feuerland nach Alaska gegeben hat, während dieser der Mittelfranke unglaublich viele schöne Dinge erlebt, aber auch viel Naturzerstörung gesehen hat. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte sich schließlich die Idee, einen Garten für die einheimische Natur anzulegen.

Das Drei-Zonen-Prinzip ermöglicht dabei tatsächliche Nachhaltigkeit im Bereich des eigenen Gartens. Puffer-, Hot-Spot und Ertrags-Zone – so heißen die drei Bereiche, in die sich sein Garten  untergliedert. Die Puffer-Zone ist dabei eine Heckenzone aus möglichst einheimischen Sträuchern. Sie schützt den Garten von außen. „Der Vorteil von einheimischen Sträuchern und Pflanzen ist, dass sie an das hiesige Klima angepasst sind und keine besonderen Böden benötigen. Das heißt, die Pflanzen müssen nicht gegossen, gedüngt und gepflegt werden.“ Das bedeutet, er verbraucht in seinem Garten keine unnötigen Ressourcen. Außerdem fallen auch keine Gartenabfälle an, die er zu Deponien fahren muss. Denn das gemähte Gras seiner Blumenwiesen aus der zweiten, der sogenannten „Hot-Spot-Zone“, ist gleichzeitig Düngemittel für die innerste, die sogenannte „Ertrags-Zone“. Sie bildet das Herzstück seines Gartens, in dem er zur Selbstversorgung Gemüse anbaut. „Nur in dieser Zone wird gegossen“, erklärt Markus. Ein ausgeklügelten Konzept, für das der Mittelfranke dieses Jahr die Bayerische Staatsmedaille verliehen bekommen hat.

Deutschlandweit gibt es aktuell 180 „Hortusianer“, die ihren Garten nach dem Drei-Zonen-Prinzip von Markus Gastl angelegt haben. Und auch in Österreich, der Schweiz und in Frankreich hat man sein Gartenmodell schon übernommen. Die Gärten aller „Hortusianer“ sind in einer Karte aufgelistet. Mehr Informationen zum Hortus-Netzwerk und zum „Hortus Insectorum“ findet ihr unter www.hortus-insectorum.de. ♥

Spielplatz, vergrößertes Wohnzimmer & Ausgleich zum Schulalltag

Bewundernswerte Gärten „Tor“, schreit ein Junge und sofort wird es laut auf der Wiese im Garten der Bickels. Jubelnd fällt sich die eine Hälfte der Kinder in die Arme und freut sich über den Treffer. Fröhliches Kinderlachen und Fußballtoben – dass 20 bis 30 Kinder ihren Garten in ein Fußballstadion verwandeln, ist für Susanne und Joachim Bickel nichts Ungewöhnliches. Das sympathische Ehepaar aus Bischberg nimmt es gelassen. „Unser Garten ist fast mehr ein Spielplatz. Wie viele Pflanzen bei Fußballturnieren in unserem Garten dieses Jahr schon umgeschossen wurden…“, lacht Mathe- und Physiklehrer Joachim. „Aber da muss man einfach drüber stehen.“ Für Kinder ist der Garten der Bickels zweifelsohne ein Paradies: ein Natur-Schwimmteich zum Planschen, ein Bauwagen sowie ein Tipi ,verschiedene Obstbäume zum Klettern und ein fast fertiges Baumhaus. Dass man den eigenen Garten nutzen kann, ist der Familie wichtig. Er ist ihr vergrößertes Wohnzimmer im Sommer und gibt ihnen die Freiheit, alle möglichen Feste und Treffen auszurichten. „Wir sind gerne Gastgeber und laden alle möglichen Leute zu uns ein“, erzählt Susanne. Genauso wichtig ist dem Ehepaar, dass man dort selbst kreativ werden kann. Das Anlegen macht Vater Joachim fast noch mehr Spaß als die eigentliche Gartenpflege. „Ganz am Anfang haben wir nach einem Plan von einer Gartenarchitektin gearbeitet, wobei wir uns aber auch die Freiheit genommen haben, diesen über mehrere Jahre umzusetzen und abzuwandeln“, erklärt Susanne. Das Ergebnis: ein wunderschöner am Hang gelegener Bauerngarten mit vielen einheimischen Pflanzen, aber auch ein paar Exoten. Ganz oben: eine Streuobstwiese mit Obstbäumen. Dazwischen ein üppig grüner Maulbeerbaum sowie zwei Feigenbäume. „Wir probieren auch gerne mal exotische Pflanzen aus“, erzählt Susanne.

Bewundernswerte GärtenEin wohl atemberaubender Anblick im Frühjahr: die Osterglockenspirale auf der daran anschließenden Blumenwiese. Hier haben Susanne und Joachim in Spiralform 1.200 gelbe Osterglockenzwiebel in die Erde gepflanzt. „Zum Naschen für die Kinder haben wir unterhalb der Wiese außerdem verschiedene Beerensträucherangelegt“, erklärt Joachim. Wie viel Herz in ihrem Garten steckt, zeigt sich auch an den Bäumen, von denen viele eine kleine Geschichte erzählen. Den Kastanienbaum hat das Ehepaar zum Beispiel zu seiner Hochzeit gepflanzt. „Es gibt verschiedene Pflanzen, auf die man stolz ist“, erzählt Joachim. Eine Premiere in diesem Jahr: Der Kiwi-Baum, der zum ersten Mal Früchte trägt. Der Garten ist Joachims Ausgleich zum Schulalltag. „Hier sehe ich im Vergleich zur Schule gleich ein Ergebnis“, lacht der Lehrer. Dennoch steht in ihm nichts in Reih und Glied. „Wir sind generell sehr tolerant mit Unkraut. Die Zeit, dass wir jedem Unkraut auf der Spur sind, haben wir mit vier Kindern einfach nicht“, erklärt Joachim. Was für ein Glück, dass ihre Gartenarchitektin die eine Hälfte der Wiese als Blumenwiesegeplant hat, die nur zwei Mal im Jahr gemäht werden muss,. Das sei nicht nur unglaublich praktisch – denn das getrocknete Gras ist gleichzeitig Heu für ihre Ziege – , sondern auch im Frühjahr ein schöner Anblick, wenn auf ihr die unterschiedlichsten Blumen blühen: Wiesensalbei, Margeriten und verschiedene andere Wildkräuter. Es gibt auch einige Ecken, in denen Brennnessel stehen, die wiederum Schmetterlinge anlocken. „Da freut man sich dann, wenn Zitronenfalter, Bläulinge oder Tagpfauenaugen im eigenen Garten rumfliegen“, erklärt Joachim.  ♥