Schafgarbe, Spitzwegerich, Vogelmiere – was für die einen Unkraut ist, sind für Else Elsterer bewundernswerte Wildkräuter. Die ausgebildete Kräuterpädagogin aus Kammerstein im mittelfränkischen Landkreis Roth hat uns verrat, was sich aus Wildkräutern alles Leckeres zaubern lässt und was es mit der gesundheitsfördernden Wirkung von Wildkräutern tatsächlich auf sich hat.

Was fasziniert dich an Kräutern? Warum hast du die Ausbildung zur Kräuterpädagogin gemacht?

Auf die Ausbildung zur Kräuterpädagogin bin ich durch Zufall gestoßen. Anfangs war ich allerdings total entsetzt, als ich auf allen Vieren nach Gänseblümchen suchen und Löwenzahn essen sollte. (lacht) Kurz habe ich überlegt, die Ausbildung wieder abzubrechen. Nach ungefähr einem viertel Jahr – die Ausbildung ging insgesamt ein Jahr, in dem man pro Monat einen Theorie- und einen Praxistag hatte – hatte ich Feuer gefangen. Ich war so begeistert und erstaunt, was man aus Wildkräutern alles machen kann. Dieses „grüne Zeug“, das es für mich bisher immer war, hat Inhaltsstoffe. Von Flavonoiden und Saponinen hatte ich davor noch nie etwas gehört. Für mich war alles gleich grün. (lacht)

Auf deiner Webseite schreibst du trotzdem von Unkraut. Sind Wildkräuter Unkraut?

Für uns Kräuterpädagogen sind Wildkräuter kein Unkraut, sondern Unkraut ist Wildkraut. Aber ich spreche bewusst gerne von Unkraut. Wer einen Garten Zuhause hat, für den ist Wildkraut ja häufig störendes Unkraut. Ich selber tue mir in meinem Garten allerdings schwer, Unkraut zu jäten. Neben Salat wächst in meinem einen Hochbeet so wunderbar die Vogelmiere. Diese enthält fast mehr Inhaltsstoffe als ein Kopf- oder Eisbergsalat.

Stichwort „Volksheilkunde mit Wildkräutern“ – Bei welchen Leiden können Wildkräuter helfen?

Das ist sehr breit gefächert. Generell habe ich die Einstellung, dass man im Krankheitsfall auf jeden Fall zum Arzt gehen sollte. Wildkräuter sind allerdings super, wenn es um die Vorbeugung von Krankheiten geht. Am besten ist es, wenn man sie in das tägliche Essen integriert. Bei uns Zuhause gibt es zum Beispiel wenn wir grillen immer Schafgarbenbutter. Schafgarbe ist unheimlich verdauungsfördernd für Galle oder Leber. Wenn man jetzt allerdings ein schweres Gallenleiden hat und dann erst anfängt Schafgarbe oder Kräuter mit Bitterstoffen zu nehmen, ist es eigentlich schon zu spät, weil diese ganz langsam und sanft wirken. Aber wenn man sie vorbeugend nimmt und ins tägliche Essen integriert, dann ist das eine wahnsinnig tolle Sache, weil man durch sie seinem Körper so viele Mineralstoffe und Spurenelemente zuführt. Wichtig ist am Anfang, nicht zu viel zu nehmen, sondern Wildkräuter gering zu dosieren, weil ihre Bitter- und Gerbstoffe für viele zunächst einen etwas unangenehmen Geschmack haben.

„Das Unkraut von heute ist die Delikatesse von morgen“ – so lautet der Titel einer deiner Vorträge, die du anbietest. Was lässt sich aus Wildkräutern denn alles Leckeres zaubern?

Was ich sehr oft Zuhause mache ist Schafgarbenbutter. Da zupfe ich eine Hand voll der kleinen und jungen Blätter, schneide sie schön klein und vermische sie mit einem Päckchen Butter (250g). Statt der jungen Blätter kann man auch die geschlossenen und ganz jungen Blütenköpfchen nehmen. Das Tolle: Außer der Schafgarbe braucht man gar keine anderen Gewürze mehr. Auch total lecker: Toskanischer Löwenzahn. Am besten dafür geeignet, ist der Löwenzahn, wenn er im Frühjahr wie eine kompakte Rosette ausschaut. Wichtig ist, dass er noch nicht blüht. Generell gilt bei fast allen Wildkräutern die Faustregel: die kleinen und jungen Blätter nehmen. Die Rosetten am Boden abschneiden, ordentlich waschen und nicht ganz trocken schütteln – sie sollten noch ein bisschen feucht sein. Von der Menge her befülle ich einen Drei- oder Fünf-Liter-Topf mit Löwenzahn-Rosetten. Das Ganze lasse ich dann für circa fünf Minuten dünsten, bevor ich drei Esslöffel Olivenöl sowie eine oder zwei kleingehackte Knoblauchzehen und ein bisschen Salz dazugebe. Zum Schluss alles noch mal bei geschlossenem Deckel weitere fünf Minuten dünsten. Das schmeckt traumhaft lecker mit frischem Brot.

Wo findest du die ganzen Kräuter?

Die meisten Kräuter wachsen am Wegrand oder im Wald. Ich selber finde fast alle Kräuter bei mir im Garten. Dadurch, dass wir einen Bauernhof haben, kenne ich die Wiesen um unseren Hof herum und weiß, wo welches Kraut wächst, wann die Wiesen gedüngt wurden etc. Das ist natürlich ein riesiger Vorteil, weil ich ohne Bedenken meine Kräuter sammeln kann. Man will ja auch immer mit Genuss und Freude essen. Deshalb ist eigentlich der Garten der beste Ort.