• Die Rauhnächte dauern meist von der Nacht auf den 26.Dezember bis zur Nacht auf den 6. Januar.
  • In diesen Tagen sollen finstere Mächte unterwegs sein. Wir stellen dir einige Bräuche und Sagen rund um die Rauhnächte vor.

Kurt Markert aus Zeil am Main erklärt beispielsweise, wie er mit Zwiebeln das Wetter voraussagen kann.Eigentlich treiben Zwiebeln uns sonst ja die Tränen in die Augen. Dabei können die kleinen Knollen viel mehr – zum Beispiel das Wetter fürs neue Jahr prophezeien. Seit zehn Jahren gehört das Zwiebelorakel für Kurt Markert zum Silvesterabend dazu. „Ich will solche alten Bräuche am Leben erhalten“, sagt der 72-jährige Naturliebhaber. Die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag ist voll von volkstümlichem Brauchtum. Dazu gehören auch die sogenannten Rauh- oder zwölf Nächte. Die dauern meist von der Nacht auf den 26. Dezember bis zur Nacht auf den 6. Januar. Nach alten Überlieferungen sollen an diesen Tagen die finsteren Mächte sehr mächtig sein.Bräuche und Sagen in den Rauhnächten

Wie Zwiebeln das Wetter vorhersagen?

Markert füllt um 24 Uhr an Silvester große Zwiebelschalen, für jeden Monat eine, jeweils mit einem Teelöffel Salz. Dazu nimmt er fränkische Bio-Zwiebeln, die seine Frau in große Schalen zerlegt. Auf einem großen Brett hat er einen Kreis mit zwölf Sektoren gemalt, einen für jeden Monat. Dazu zündet der 72-Jährige Kerzen an und spricht ein Gebet: „Ich bin ein christlicher Mensch. Ich bete ein Vaterunser, damit keine Unwetter oder Blitze entstehen.“ Dann heißt es erst einmal abwarten: Markert wartet bis zum Neujahrsabend auf die Veränderungen. Ist das Salz in einer Schale feucht und nass, so ist ein regnerischer Monat zu erwarten, bleibt die Schale trocken, so ist der Sommermonat trocken und heiß, die Wintertage dagegen sind trocken und kalt. Klumpt das Salz, so seien heftige Gewitter zu erwarten.

Klimawandel schlägt sich auf Zwiebelorakel nieder

Bisher sei das Horoskop immer größtenteils eingetroffen, erzählt der Zeiler stolz. Besonders eindrucksvoll hat sich das im vergangenen Jahr gezeigt: Die Zwiebeln haben vorausgesagt, dass 2018 ein trockenes Jahr wird – und das Orakel sollte Recht behalten. Der Klimawandel schlägt sich auch im Zwiebelorakel nieder. Sonst seien die Zwiebelschalen oft mit Wasser übergelaufen, jetzt sei das immer seltener der Fall. „Das Klima wird sich ändern“, ist sich Markert sicher. Wie das Zwiebelorakel genau funktioniert, kann sich der Zeiler nicht erklären. Dass eine Zwiebel bei Kontakt mit Salz Wasser zieht, verwundert niemanden. Aber warum eine Zwiebel mehr Wasser zieht als eine andere, bleibt ein Geheimnis. „Da ist irgendeine Kraft in den Rauhnächten, die mehr Wasser zieht“, glaubt Markert.

Das sagt das Zwiebelorakel für 2019:

Januar: Das Jahr 2019 wird nass, laut Zwiebelorakel. „Zwei bis drei Monate werden trocken, ansonsten wird es ein sehr nasses Jahr. Die Natur braucht mehr Wasser nach dem trockenen Jahr 2018“, erklärt Kurt. Aber wie wird das Wetter laut Zwiebelorakel im Detail?

Januar:            Es wird nass, Schnee und Regen sind wahrscheinlich.

Februar:          Eine leichte Feuchte mit Schnee und Regen ist zu erwarten.

März:                Die Zwiebel ist übergelaufen, es erwartet uns ein sehr nasser Monat März.

April:                2019 müssen wir mit einem richtigen Aprilwetter rechnen. Die Zwiebel war leicht feucht, also ist Regen nicht ausgeschlossen.

Mai:                  Der Mai wird kein Wonnemonat. Es wird sehr nass mit viel Regen.

Juni:                 Auch der Juni bleibt nicht trocken. Stattdessen gibt es Regen und Nässe.

Juli:                  Der erste trockene Monat 2019 ist der Juli. Trotzdem kann es ab und zu Gewitter geben.

August:           Auch der August bleibt weitestgehend trocken mit vereinzelten Gewittern.

September:  Total nass – So beschreibt Kurt die Zwiebel im Monat September. Also wieder Regen.

Oktober:        Ein goldener Oktober erwartet uns in diesem Jahr. Es bleibt trocken.

November: Viel Regen, viel Nässe, eventuell Schnee drohen im November.

Dezember: Auch der Dezember wird nass und feucht.

Weitere Bräuche und Sagen

Keine Wäsche waschen

In dieser Zeit darf nicht gewaschen werden, weil die Wäsche von den Untoten als Leichentuch oder Leichenhemd für ein Familienmitglied verwendet werden könnte. Noch heute wird in vielen Haushalten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag keine Wäsche gewaschen.

„Die wilde Jagd“

Zur Mitte der Rauhnächte, also an Silvester, bricht Wotan mit den Toten zur „wilden Jagd“ auf. In dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen. Die Seelen der Verstorbenen treiben ihr Unwesen. Dämonen ziehen mit der wilden Jagd durch die Lande.

Orakel

Die Rauhnächte sind besonders für das Befragen von Orakeln geeignet. Eine Tradition ist das Bleigießen in der Silvesternacht. Tiere im Stall sollen um Mitternacht zu sprechen beginnen und über die Zukunft erzählen. Wer die Tiere allerdings sprechen hört, stirbt kurz danach, so die Sage. Auch über das Liebesleben kann entschieden werden: Ledige Frauen werfen ihren Pantoffel gegen eine Türe, die Spitze des Schuhwerks zeigt die Richtung an, aus der der Bräutigam kommen wird.

Du möchtest weitere Geschichten aus deiner Heimat lesen? Dann schau doch hier vorbei.