Sie können Fährten lesen, Personen suchen, Rauschgift, Sprengstoff oder Banknoten aufspüren – Polizeihunde sind verlässliche und treue Partner. Sie helfen ihren menschlichen Kollegen dabei, die unterschiedlichsten Fälle aufzuklären. Doch nicht alle Hunde schaffen es in die Ausbildung. Ein Besuch beim Training der Diensthundestaffel der Polizei Schweinfurt.

„Bei uns geht es nicht nach Schönheit“, erklärt Hauptkommissar und Ausbildungsleiter Harald Bach von der Polizeidienststelle Schweinfurt. Der Polizist ist seit vielen Jahren Hundeführer und weiß genau, was einen guten Polizeihund ausmacht. Eine Portion Mut – das sei das Allerwichtigste und gleichzeitig etwas, das man dem Hund nicht beibringen kann. „Das ist wie bei uns Menschen. Der eine ist mutiger, der andere eher etwas ängstlicher. So ist es auch bei Hunden.“ Als zwei weitere wichtige Eigenschaften nennt der erfahrene Hundeführer die beiden Schlagworte „bewegungssicher“ und „wesensfest“. Zwischen hellen und dunklen Bereichen zu wechseln, sollte für den Hund kein Problem darstellen. Schließlich wird die Polizei auch nachts zu Einsätzen gerufen. Genauso sollte er vor unbekannten Dingen nicht sofort zurückweichen. Ein ganz schönes Anforderungsprofil an so einen Vierbeiner. Nicht zu vergessen der Spiel- und Fresstrieb. Dieser darf bei keinem angehenden Polizeihund fehlen. Er ist deshalb so wichtig, weil er über ihn die verschiedenen Aufgaben, die ein Polizeihund können muss, erlernt. Aufgabe erfüllt, Belohnung, Lob – so lautet im Wesentlichen das Prinzip, mit dem Bach und seine Kollegen mittlerweile erfolgreich in der Hundeausbildung unterwegs sind. Hat der Hund eine Aufgabe erfüllt, bekommt er zur Belohnung entweder ein Leckerli oder ein Spielzeug. Plus natürlich: die ungeteilte Aufmerksamkeit und ein überschwängliches Lob seines Herrchens. Polizeihund Paul, ein junger Malinois-Mischling (Belgischer Schäferhund), der mittlerweile seit drei Jahren zusammen mit dem Hauptkommissar auf Streife geht, fährt beispielsweise total auf Spielzeug ab. „Da ist jeder Hund anders. Als Hundeführer muss ich die Vorlieben meines Hundes herausfinden.“ Fress- oder Spieltrieb – je nachdem, was stärker ausgeprägt ist, wird der Hund entsprechend belohnt. „Wir arbeiten nur noch mit Trieben und Triebzielen.“

Verschiedene Lernfächer für die Vierbeiner

Ein tierisch eingespieltes TeamEin bis zwei Jahre – so alt sind die vierbeinigen Ordnungshüter im Schnitt, wenn sie mit der Ausbildung starten. „Wir holen uns aber auch immer mehr Welpen dazu. Die kann man noch einmal ganz anders ausbilden“, ergänzt Bach. Und was muss so ein Polizeihund so alles können? Ausgebildet werden die vierbeinigen Polizeianwärter in verschiedenen Fächern: Fährtenarbeit, Unterordnung, Stöbern nach Personen, Aufspüren von Sprengstoff, Rauschgift, Waffen, Banknoten und Leichen und Schutzdienst – das sind die wesentlichen Dinge, die ein Diensthund der Polizei Schweinfurt können muss. Damit er das auch wirklich aus dem Effeff beherrscht, trainieren die 12 Hundeführer einmal pro Woche für circa vier Stunden mit ihren vierbeinigen Kollegen auf dem Hundeübungsplatz in Schwebheim. Zusätzlich dazu gibt es noch jede zweite Woche ein Spezialtraining, bei dem die Spürnasen beispielsweise in einem Firmengebäude eine versteckte Person finden müssen.

„Mein Kollege übt gerade mit Terry das Fährtensuchen“, erklärt Bach und zeigt auf den 10 Monate alten Schäfer-Mali-Mischling, der am Rand eines Feldes gerade einer gelegten Fährte nachgeht. Der Hund sucht hier als Grundfährte die Bodenverletzung, die entsteht, wenn Gras, Erdreich und Kleingetier plattgetreten wird. Später komme dann noch Individualgeruch hinzu. Hierbei sucht der Hund dann nach einer ganz bestimmten Person. Hochkonzentriert ist der junge Polizeihund bei der Sache und geht schnuppernd mit der Nase im Gras den Weg entlang. Nach circa 70 Meter hat er es geschafft, die Übung ist beendet und Terry darf wieder in sein Polizeiauto zurück. 200 Mal atmet ein Hund bei der Fährtensuche im Schnitt pro Minute ein und aus. „Das ist wahnsinnig anstrengend für den Hund. Deshalb halten wir gerade bei jungen Hunden, die noch in der Ausbildung sind, die Übungseinheiten eher kurz“, erklärt Bach. Außerdem dürfe der Hund nie den Spaß an der Arbeit verlieren. Ist er einmal fertig ausgebildet, könne er aber auch durchaus länger einer Fährte nachgehen.

Die Ausbildung zum Polizeihund dauert circa 2 Jahre

Ein bis zwei Jahre so lange dauert es im Schnitt, bis ein Polizeihund perfekt ausgebildet ist und mit seinem Hundeführer auf Streife gehen darf. Doch nicht alle Hunde schaffen die Ausbildung. „Ich hatte auch schon mal einen Hund, der Probleme hatte sich unterzuordnen und nach mir gebissen hat“, erklärt Bach. Zwar gebe man den Tieren dann natürlich immer eine Chance, aber zum Schluss musste er sich von ihm trennen, denn Gehorsam und Unterordnung gehören zu den Basics, die ein Polizeihund einfach drauf haben muss. Seinem Paul vertraut der Hauptkommissar blind. „Der hat Nerven wie Drahtseile“, lobt er seinen vierbeinigen Kollegen. Nach Dienstschluss gehen die beiden zusammen nach Hause. Denn Polizeihunde leben immer mit ihrem Hundeführer zusammen und sind Teil der Familie. Sie sind privat und beruflich ein tierisch eingespieltes Team. Halter der Hunde ist allerdings der Staat. Zumindest bis zum Renteneintritt, was bei den vierbeinigen Beamten mit ungefähr 10 Jahren der Fall ist. Danach leben die meisten weiter bei ihren Hundeführern und beziehen eine monatliche Rente von 70 Euro. Sie bleiben wie ihre menschlichen Kollegen Beamte auf Lebenszeit.