Manchmal braucht es nur die richtige Idee, um das eigene Leben ein klein wenig leichter zu machen –um in das eigene Chaos ein bisschen Ordnung zu bekommen. Zwei solcher Ideen aus Franken haben es im Herbst in die „Die Höhle der Löwen“ geschafft. Die Gesichter und Geschichten dahinter könnten unterschiedlicher nicht sein – und doch trägt beide die gleiche Leidenschaft und Überzeugung.

Erfinderisches Franken: Erfolgreich mit neuen Ideen

Carolin Schuberth von waschies. Foto: Waschie

Glaubwürdigkeit und der Glaube an das eigene Produkt sind die großen Gemeinsamkeiten von Carolin Schuberth und Rudolf Wild. Sie sind Erfinder, Produktentwickler und Gründer – und dank der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ richtig gut im Geschäft. Was die zwei Franken außerdem verbindet, ist die Tatsache, dass sie mit ihrer Idee nicht in erster Linie Geld verdienen wollen.  Sie haben eine Lösung für ihre persönlichen Herausforderungen gesucht. Auch wenn diese in völlig unterschiedlichen Lebensphasen aufgetaucht sind.

Als Chefin in ihrer Werbeagentur ist Carolin Geschäftsfrau durch und durch, auf den Erfinderpfad brachte sie allerdings die Rolle als Mutter. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter war die 43-Jährige mit einem Problem konfrontiert, das die meisten Eltern kennen: gereizte Babyhaut. Nachhaltige, hautschonende Alternativen zu  Feuchttüchern und handelsüblichen Waschlappen? Fehlanzeige. „Das Produkt, das wir wollten, gab es einfach nicht. Da dachten wir: Das können wir besser.“ Das Ergebnis sind „waschies“ – Waschpads aus weicher Mikrofaser, die ohne zusätzliche Waschlotionen reinigen und wiederverwendbar sind.

Tüfteln als Leidenschaft

Erfinderisches Franken: Erfolgreich mit neuen Ideen

Rudolf Wild mit seiner Erfindung. Foto: Anna-Lena Deuerling

Rudolf Wild ist ebenfalls selbstständig – als Tischlermeister in Baunach. Seine Leidenschaft lag allerdings schon immer im Pflanzen, Säen und Gießen im Garten. Im Alter merkte der mittlerweile 79-Jährige, dass er sich nicht mehr so gut bücken kann wie früher. „Ich war immer unzufrieden – immer am Tüfteln.“ Als er eines Nachmittags gegen Unkraut kämpfte, kam im auf den Knien im Beet ein Geistesblitz. Die Idee für seine „Multiharke“ war geboren: ein Gartengerät, das verschiedene Funktionen vereint und rückenfreundliches Arbeiten ohne Bücken ermöglicht. Nicht die erste Erfindung des Rentners – mit seinem „Profi-Spaten“ ist er bereits auf Messen unterwegs, fortan verkauft er dort auch die Multiharke und erntete positives Feedback. Jede Harke und jeder Spaten sind bis dato noch in seiner Werkstatt handgefertigt.

Auch in Kulmbach werden „waschies“ zu Beginn noch handgefertigt. Der Verkauf läuft übers Internet und lokale Einzelhändler, Verpackung und Versand stemmt das Agentur-Team vom Büro aus. Trotz Herzblut merkt die Unternehmerin: Geld verdient man so nicht. „Wir standen vor der Wahl: entweder wir geben das Produkt komplett auf  oder finden einen Weg, den Vertrieb zu schultern, ohne finanziell unterzugehen.“ So kam es zur Bewerbung bei der Vox-Show im Herbst 2017. „Ein Gefühl hat mir gesagt: Ich sehe uns in dieser Sendung“, sagt Carolin.

Dass ihre Bewerbung eine von 30 000 pro Staffel ist, war ihr nicht bewusst – Rudolf Wild wusste zunächst gar nicht, dass auch er ins Rennen ging. Sein Sohn Stefan hat ihn angemeldet. Da er grundsätzlich offen für alles sei, habe er sich gefreut, dass es dann tatsächlich geklappt hat und nach einem Casting die Einladung zur Aufzeichnung folgte.

Ein Faible für Franken

„Das ist meine Materie, da kenne ich mich aus – da ist die Nervosität schnell abgefallen“, erzählt er vom Pitch im Studio. Nach der herzlichen Begrüßung der „Löwen“ sei alles wie von alleine gelaufen. „Meine Aufmachung, mein Alter – das hat die Löwen erst einmal positiv überrascht und sie waren begeistert“, sagt er. Am Ende überzeugte er Ralf Dümmel und fädelte einen Deal ein.

Erfinderisches Franken: Erfolgreich mit neuen Ideen

Die Waschies – die Revolution beim Abschminken. Foto: Anna-Lena Deuerling

Dümmel scheint ein Faible für Franken zu haben, auch bei „waschies“ schlägt er zu. „Er ist vom Typ so hemdsärmelig wie wir – ich hatte ein gutes Bauchgefühl“, sagt Carolin. Schon kurz nach dem Handschlag wurde klar, dass sie am Produkt arbeiten müssen. „Er hat uns klargemacht, dass  der Markt für Babys sehr viel kleiner ist, als der für Frauen, die sich schminken.“ Die „Faceline“ – Abschminkpads aus dem demselben weichen Material – rückt in den Mittelpunkt. In der Zeit von der Aufzeichnung bis zur Ausstrahlung wird „waschies“ neu aufgestellt – von der Verpackung bis zu Vermarktung. „Natürlich muss man nicht immer einfache Kompromisse eingehen.“ Den Vertrieb geben sie komplett aus der Hand. Bei mittlerweile über zwei Million produzierten „waschies“ die richtige Entscheidung. Drogerieketten, Discounter und Onlineshops bieten die „waschies“ an. Es bleibt spannend. „Das  Ziel ist, dort dauerhaft in das Produktportfolio aufgenommen zu werden.“ Und eben nicht wie viele andere Produkte wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Produkte sind gefragter denn je

Dieses Ziel hat auch „Ruwi“. Er freut sich über den Erfolg – bereits kurz nach der Ausstrahlung war die Multiharke ausverkauft, musste nachproduziert werden – doch an Beine hochlegen ist nicht zu denken. „Der Erfindergeist hat schon immer in mir gesteckt“, sagt er.  Er tüftle auch weiter – seinen Spaten stelle er auch weiter selbst her. „Wenn mir der Herrgott die Gesundheit schenkt, kann ich das noch ein paar Jahre machen“, sagt er. Weiterhin mit Leidenschaft und Spaß an der Sache – das habe schließlich auch die Löwen überzeugt.  „Es geht um Emotionen. Die Menschen wollen natürlich Geschichten hören“, erklärt sich Carolin ihren Erfolg. „Und ich habe dieses Produkt ja für meine eigenen Kinder entwickelt.“ Sie wünscht vor allem Müttern und Frauen mehr Mut, ihre Ideen zu verwirklichen.  „Wenn du von etwas überzeugt bist, musst du den Weg bis zum Ende gehen, auch wenn er steinig ist.“ Mehr als schiefgehen könne es nicht.