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Hüllenlos und völlig frei Urlaub machen. Für die einen gibt es nichts Schöneres. Für die anderen ist die bloße Vorstellung total verrückt und abgefahren. LANDmadla hat eine Bambergerin getroffen, die sich hat bekehren lassen.

„Das könnt ich nie“!“ – diesen Spruch bekommt Julia immer als erstes zu hören, wenn sie Leuten von ihrem letzten Urlaub in Frankreich erzählt. Und so lange ist es auch noch nicht her, da war für die Bambergerin selbst ein Urlaub dieser Art noch unvorstellbar. Ein absolutes No-Go! Schließlich ist sie so nicht aufgewachsen und eine Sauna-Gängerin war sie auch noch nie. Aber Meinungen lassen sich ja verrücken. Heute ist sie überzeugte FKK-Urlauberin.

Doch wie ist sie überhaupt dazu gekommen? „Zum FKK-Urlaub bin ich durch meinen Mann gekommen. Die Familie von Pascal fährt schon immer nach Montalivet“, erzählt Julia. In dritter Generation betreibe die Familie diese Art des Urlaubmachens nun schon. Und mit Familie meint Julia: Großeltern, Eltern, Onkeln, Tanten, Nichten, Neffen, Cousins und Cousinen. Für die Bambergerin war die Vorstellung, mit ihren Schwiegereltern und dem gefühlten Rest der Familie nackt Urlaub zu machen, am Anfang völlig unvorstellbar. „Das kam für mich überhaupt nicht infrage“, erinnert sie sich. Doch das Thema kam auf jeder Familienfeier zur Sprache. „Ja, am Anfang ist das immer komisch. Aber da guckt dich keiner an oder dir was weg. Da gewöhnst du dich ganz schnell dran“, haben sie die einzelnen Familienmitglieder immer wieder versucht zu überreden und ihr gleichzeitig von der wunderschönen Lage des FKK-Camps, im französischen Montalivet an der Atlantikküste, vorgeschwärmt.  Gerade der 90-Jährige Großvater, der überzeugter Anhänger der Freikörperkultur war, konnte nicht nachvollziehen, warum sich Julia so zierte: „Das ist doch das Natürlichste der Welt. Da ist man ganz frei und bekommt keinen Sand in die Hose“ habe er immer wieder versucht, ihr den FKK-Urlaub schmackhaft zu machen.  Doch nichts zu machen.

Man ist ja nicht nur am Strand nackt, sondern die Leute können dort überall nackt rumlaufen. Im Supermarkt, beim Bäcker, auf dem Tennisplatz oder an der Strandbar.

2013 ist ihr Mann dann mit den beiden Kindern alleine mitgefahren – Julia blieb zuhause. Diese ungenierte Freikörperkultur war für die Bambergerin zu diesem Zeitpunkt noch unvorstellbar. 2014 dann der Sinneswandel: „Ich habe zu mir gesagt, dass ich es wenigstens ein Mal erlebt haben muss, um mitreden und für mich ausschließen zu können.“  Dennoch: die Vorfreude auf ihren ersten FKK-Urlaub hielt sich in Grenzen. Je näher der FKK-Urlaub rückte desto aufgeregter wurde die 36-Jährige. „Ich habe sogar ‚Erstes Mal FKK‘ im Internet gegoogelt“, erzählt sie uns lachend.

An den Moment, in dem sie und ihre Familie schließlich im FKK-Camp in Montalivet ankommen sind, erinnert sich die 36-Jährige noch genau: „Es war 7.00 Uhr morgens. Ich hatte nur einen Gedanken im Kopf ‚Oh Gott, wann sehe ich meinen ersten nackten Menschen?‘“ Diesen traf sie dann auch gleich an der Rezeption: im Hemd, ohne Hose. Ihr zweiter nackter Mensch kam ihr kurz darauf auf dem Fahrrad entgegen. Konfrontationstherapie wie sie im Buche steht. Der Erfolg war dementsprechend: Durch den Anblick der vielen Freikörper legte Julia ihre Hemmungen schnell ab. Und als sie sich zum ersten Mal auszog, machte ihr die viele nackte Haut um sie herum schon gar nichts mehr aus. „Als ich mit meinem Mann am Strand ankam, saß die Familie schon da“, erinnert sich Julia. Sie habe sich dann auf ihr Handtuch gesetzt und ihr Strandtuch abgenommen. „Die ersten Momente waren ungewohnt, irgendwie merkwürdig“, gibt die Bambergerin zu. Allerdings habe sie sich, so wie von allen prophezeit, schnell daran gewöhnt. „Dadurch, dass alle nackt sind, ist es nichts Besonderes mehr. Nacktsein wird zur Normalität. Von daher wird auch nicht geglotzt.“ Und sowieso stehe beim FKK-Urlaub nicht das Sexuelle im Vordergrund. Reizwäsche sei deshalb auch verpönt. Angezogen oder nackt – das sind die beiden Alternativen.

Ein Urlaub für die ganze Familie

So viel Überwindung es sie auch gekostet hat, so sehr weiß Julia heute die Vorzüge zu schätzen: „Das Camps ist einfach toll gelegen: Mitten im Pinienwald, an der Atlantikküste. Es ist genauso schön, wie es alle immer erzählt haben.“ Darüber hinaus müsse man sich als Eltern auch weniger Sorgen um seine Kinder machen. „Im Camp fahren keine Autos, sodass die Kinder mit ihren Rädern und Rollern frei herumtoben können“, erklärt sie weiter. Außerdem gäbe es ein breites Sport- und Kinderanimationsprogramm. Wenn man aus dem Meer komme, habe man keine Tonnen Sand in der Bikinihose. Man müsse sich morgens nicht überlegen, was man tagsüber anziehe. Und dann wäre da noch die nahtlose Bräune. Das Schönste an dem Urlaub in Montalivet sei aber, dass die ganze Familie dort zusammenkommt. Außerdem werde man sich dort auch immer wieder bewusst, dass niemand perfekt ist und jeder seine kleinen Macken habe. Als Julia die Vorzüge so der Reihe nach aufzählt, wird schnell klar, dass die junge Frau längst vom Lager, der FFK-Skeptiker, in das der FFK-Liebhaber übergelaufen ist.

Aber wie muss man sich so einen Urlaub in einem FFK-Camp nun eigentlich vorstellen? Laufen dort alle zu jeder Tages- und Nachtzeit nackt herum? „Am Strand ja. Dort herrscht Nacktpflicht“, erklärt Julia. Im übrigen Camp sei es aber kein Muss und hänge stark von der Tageszeit ab. Während in der Strandbar oder auf dem Markt, der immer um die Mittagszeit im Zentrum stattfindet, ein Großteil nackt ist, werfen sich zum Abendessen im Restaurant alle in Schale. Daher reist man beim FKK-Urlaub auch nicht zwangsläufig mit weniger Gepäck. Man muss abends für alle Eventualitäten gerüstet sein – gerade mit Kindern.