Viele unserer heimischen Fußballmannschaften tragen sie, auch Ballermann-Sängerin Mia Julia hat sie bei ihren Auftritten auf und sogar Mario Götze von Borussia Dortmund trägt sie – eine Kappe aus der Staffelsteiner Kappenschmiede von Fabi Schlund. Eine fränkische Erfolgsgeschichte.

Tack, Tack, Tack, Tack, Tack – es rattert in der Staffelsteiner Kappenschmiede. Nach längerem Suchen, wo das Geräusch herkommt, entdecken wir eine kleine, weiße Maschine am Ende des Raumes. Darin liegt eine schwarze Kappe. Immer wieder hackt die Nadel mit dem weißen Faden in den Stoff. Etwa 3000 Stiche später ist der Schriftzug Fregger auf der Kappe zu lesen. „Neben Maadla ist das einer der beliebtesten fränkischen Begriffe bei uns“, erklärt Fabi Schlund, der vor drei Jahren wegen eines Geburtstagsgeschenks auf seine Geschäftsidee kam. „Der Bruder meiner Freundin ist leidenschaftlicher Kappenträger. 365 Tage im Jahr ist er mit einer Kappe unterwegs.“ Fabi durchstöberte das Internet nach einer Kappe mit einer speziellen Aufschrift. „Ich habe nur Anbieter gefunden, die drucken. Wir wollten aber etwas Gesticktes.“ Er fand nur eine Firma, die Kappen bestickte – aber nur in größeren Mengen. Und das brachte Fabi auf eine Idee: Er verhandelte mit der Firma und lies sich ein paar Kappen mit fränkischen Wörtern wie Fregger oder Maadla machen. „Wir haben Bilder davon auf Facebook gepostet. Innerhalb einer Nacht hatten wir über 400 Kommentare. So ist das Ganze entstanden und hat sich immer weiterentwickelt.“

Anfangs nur auf fränkische Wörter spezialisiert, merkte der 27-Jährige schnell, dass viel mehr Potenzial in seiner Geschäftsidee steckt. Es kamen Anfragen aus Mannheim, Berlin und Köln. Aus dem damaligen Firmennamen „Klamoddn“ wurde die „Kappenschmiede“ und neben fränkischer Mundart kamen auch immer mehr Vereinswappen und Sprüche auf die Kappen.  Mittlerweile produziert Fabi in seiner Kappenschmiede fast alles selbst. „Die Einkopfmaschine nutzen wir für einzelne Aufträge und die große Maschine im hinteren Teil des Ladens für größere Aufträge“, erklärt der Staffelsteiner. Einer der größten Aufträge derzeit kommt von einer Münchner Brauerei, die 300 bestickte Kappen geordert hat. „Die Brauerei ist selbst auf mich zugekommen, das hat sich noch aus meinem früheren Job in München ergeben“, erklärt der gelernte Veranstaltungskaufmann.  Anfangs nutzte der 27-Jährige gezielt das Schneeballsystem, um an Kunden zu kommen. „Wenn wir jemanden angeschrieben haben, der eine Kappe von uns wollte, dann hat er die von uns bekommen und sie auf seinen sozialen Netzwerken gepostet. Das hat dann wiederum andere angesprochen.“ Besonders gut habe das in der Mallorca-Szene funktioniert: Fabi hat die Ballermann-Sängerin Mia Julia kontaktiert, die dann eine Kappe von ihm wollte. „Daraus hat sich dann ergeben, dass andere Malle-Größen wie Lorenz Büffel oder Ikke Hüftgold auf uns zukamen.“ Das funktioniere auch bei Fußballspieler wie Mario Götze oder großen Unternehmen wie Campari oder Audi.

Derzeit ist die Produktion der Kappenschmiede mehr als ausgelastet. Allein im letzten Jahr haben an die 25000 Kappen den Staffelsteiner Laden verlassen. Das meiste laufe dabei über den Onlineshop. Dort können Kunden ihre Kappe individuell selbst gestalten mit einem Wort, einem Spruch oder einem Vereinslogo. „Besonders beliebt sind die Kappen derzeit bei heimischen Fußballvereinen, die ihre gesamten Spieler – von der ersten Mannschaft bis zur Jugend – damit ausstatten“, erklärt Fabi. Auch im Laden können die Kunden direkt vorbeikommen, dann hilft Fabi bei der Umsetzung. „Wenn wir die Bestellung dann haben, müssen wir schauen, ob es umsetzbar ist. Lizenztechnisch müssen wir immer aufpassen. Wir können ja nicht einfach das Logo von einer Band umsetzen.“ Wenn dem Ganzen aber nichts einzuwenden ist, baut Fabi die Stickdatei am Computer, dann geht es ab in die Maschine und nach circa fünf Werktagen raus zum Kunden. Bei größeren Aufträgen dauere es derzeit zwölf Werktage. Das Auftragsbuch des 27-Jährigen ist voll.

Gestickt in Szene gesetztMit so einem Erfolg hätte Fabi nie im Leben gerechnet. „Am Anfang bin ich am Wochenende immer heimgefahren und habe sieben Frankenmützen verpackt. Dann waren es 20, dann 40 und auf einmal 100“, erklärt der gelernte Veranstaltungskaufmann mit einem Schmunzeln im Gesicht. Der Lagerplatz im Büro seiner Eltern reichte irgendwann nicht mehr aus. „In den letzten drei Jahren ist das Ganze dann noch heftiger gewachsen.“ Nach 60 Quadratmetern in der Staffelsteiner Bahnhofstraße ist er nun mit seiner Kappenschmiede umgezogen – auf knapp 200 Quadratmeter. In seinem neuen Laden bietet er als Zwischenhändler nun auch Kappen bekannter Marken mit lizenzierten Mustern an. Auch Kleidung verkauft er jetzt. „Am Anfang waren wir ja nur auf Kappen spezialisiert. Aber wenn dann ein Verein kommt, der Kappen von uns hat, fragt der auch nach Pullovern und T-Shirts, damit sie alles aus einer Hand bekommen.“ Deswegen hat Fabi in seinem neuen Laden sein Sortiment nochmal erweitert und sich einen Textildrucker zugelegt. „Mal schauen, was sich in den nächsten Wochen und Monaten noch entwickelt, was wir momentan noch nicht verraten dürfen“, sagt Fabi und grinst.

Kappenschmiede
Lichtenfelser Straße 1
96231 Bad Staffelstein

www.kappenschmiede.de