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Kathrin ist die Geliebte eines verheirateten Mannes. Schlampe denken die einen über sie, Familien-Zerstörerin die anderen. Wie Kathrins Situation ist, interessiert kaum einen. Mit LANDmadla hat sie über ihre mutige Geschichte gesprochen.

Es war nur ein Wort. Ein kurzes „Hey“. Kathrin kann sich daran erinnern. Martin aber noch besser. Noch heute könnte er sich in den Hintern beißen, dass es zwischen ihnen beiden nur bei diesem einen Wort geblieben ist. Er nicht gefragt hat, ob sie etwas mit ihm trinken will. Damals an der Bar. Auf dem Feuerwehrfest.

Das zumindest sagt Martin zehn Jahre später. Als sich beide im Sportverein wieder treffen, Martin an der Weihnachtsfeier Kathrins Hand berührt und sie plötzlich küsst. „Ich hab‘ nur gedacht: Scheiße, was geht denn jetzt“, erzählt Kathrin. Was da geht, ist eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Dem Mann einer ihrer Freundinnen. Ehemaligen Freundinnen mittlerweile.

Nach dieser Weihnachtsfeier findet Kathrin den Mut, sich von ihrem Mann Patrick zu trennen. „Ich war schon lange nicht mehr glücklich in der Beziehung, wollte mich eh trennen. Das hat mir, als alles rauskam, natürlich keiner geglaubt. Aber ich hatte einfach nie den richtigen Zeitpunkt gefunden. Der Kuss mit Martin war letztendlich nur der Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Kathrin heute, ein Jahr nach der Weihnachtsfeier, die sie zur Geliebten machte.

Denn Martin trennt sich nicht von seiner Frau. Und das obwohl Kathrin ihm seit zehn Jahren nicht aus dem Kopf geht, er angeblich immer Herzklopfen hatte, wenn sie mit den anderen Mädels bei Ramona, seiner Frau, daheim war. Und obwohl sein Ehe-Alltag so ausschaut: kein Sex, dafür viel Streit. Martin bleibt. Wegen der Kinder. Erstmal.

Immerhin schenkt er seiner Frau nach ein paar Wochen ebenfalls reinen Wein ein. Aus dem Hoffnungsschimmer wird für Kathrin schnell regelrecht der Horror. Ramona sucht nach ihr, brüllt durchs Telefon, Kathrin habe ihre Familie zerstört. Sie steht vor ihrer Tür, als Martin da ist. Und sie droht Kathrin, sie umzubringen. Wenn Kathrin im Supermarkt in Lichtenfels, wo sie wohnt und Martin mit Ramona und den Kindern ebenfalls,  einkaufen gehen will, schaut sie vorher, ob Ramonas Auto auf dem Parkplatz steht. Freundinnen hat Kathrin in der Zeit keine Handvoll mehr. „Keine hat meine Seite gehört“, sagt Kathrin. Sie halten zu Ramona.

Kathrin hat also nur die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben mit Martin. Sie sucht sich nach dem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung mit Patrick wieder eine Wohnung in Lichtenfels, schließlich will Martin ja dann, nach der Trennung von seiner Frau, in der Nähe der Kinder sein. Ein Kinderzimmer muss die vermeintlich gemeinsame Wohnung natürlich auch haben.

Kathrin kennt Martins Freunde, er nimmt sie mit zu Firmenfeiern, stellt sie seinen Kollegen vor.

In den Familienurlaub fährt Martin nicht mit, verbringt stattdessen eine Woche daheim. Mit Kathrin. Wie ein ganz normales Paar. Ramonas Eifersucht wird derweil immer schlimmer, sie verlangt, dass Martin die Wohnung filmt, genau wie sein Hotelzimmer, wenn er auf Geschäftsreise ist. Als er am Valentinstag das Haus verlassen will, bedroht sie ihn mit einem Messer.

Für Kathrin und Martin wird es immer schwieriger, sich zu sehen. Ihnen bleiben nur noch gemeinsame Mittagspausen oder Martin macht früher Feierabend.

Immer wieder erzählt Martin Kathrin, dass er sich trennt, er und Ramona schon darüber sprechen, wer nach der Trennung wo wohnen wird, dass Ramona mit den Kindern im Haus bleiben kann. Dass er Kathrin heiraten will. Kathrin hangelt sich von Lichtblick zu Lichtblick. Beziehungsweise von Geburtstag zu Geburtstag der Kinder. Zuerst will Martin den des kleinen Sohnes noch gemeinsam als Familie feiern. Dann trennt er sich. Doch dann kommt noch der Geburtstag des großen Sohnes. Aber dann trennt er sich wirklich. Versprochen.

Kathrin ist konsequenter. Sie fliegt mit einer Freundin in Urlaub. „Wenn ich wieder komme, will ich eine Entscheidung“, sagt sie Martin. Natürlich habe sie Angst gehabt, „dass er sagt, er bleibt bei ihr“. Immerhin glaubt keiner in ihrem Umfeld daran, dass Martin wirklich den entscheidenden Schritt wagt. Der hat nicht den Mut, sagen die einen. Der hat Angst, weil Ramona ihm sagt, dass sie ihn bluten lassen wird, sagen die anderen. Nur Kathrin hat die rosarote Brille auf.

Am Ende ihres ersten Treffens nach Kathrins Urlaub will Martin einfach gehen. „Er hat sich angezogen und wollte los – wie immer“, erinnert sich Kathrin. „Stopp, wolltest du mir nicht etwas sagen“, fragt sie voller Angst und Mut zugleich. Martin versucht die Situation zunächst ins Lustige zu ziehen. Er habe keine Entscheidung getroffen, sagt er dann. Ein Schlag ins Gesicht für Kathrin.

Sie soll ihm die Pistole nicht auf die Brust setzen, er liebt sie und er wird sich trennen. „Ich kann dir nur noch nicht sagen, wann.“

Kathrin nimmt all ihren Mut zusammen. Wenn er keine Entscheidung trifft, muss sie es eben tun: Als sie ihm sagt, dass sie die Affäre beendet, weint Martin. Kathrin bleibt stark. Erst als er aus ihrer Wohnung draußen ist, rutscht sie auf der anderen Seite der Wohnungstür an dieser entlang zu Boden und weint. Am Tag darauf schreibt sie Martin, dass ihr alles leid tut. Erst eine Woche später ist dann endgültig Schluss. Martin verspricht ihr zum wiederholten Mal, sich von seiner Frau zu trennen. Irgendwann. Und wenn es soweit ist, wird er Kathrin informieren.

Seine letzte Nachricht: „Ich werde dich für immer lieben. Und wenn ich dich das nächste Mal auf einem Fest wieder am liebsten festhalten möchte, dann bleib bitte stehen.“

*alle Namen geändert