Foto: @dhudson_creative / Unsplash

Briefe. Kein Mensch schreibt mehr Briefe. Die allermeisten bekommen nur Briefe. Das sind dann allerdings keine Briefe, sondern Werbung, Rechnungen oder Zahlungsaufforderungen. Allerhöchstens liegt mal die Einladung zu Oma Evis 80.-Geburtstag im Briefkasten. Aber sonst? Gähnende Leere. Die jungen Leute von heute scheitern ja schon beim Adressieren eines Briefes. Wo platziere ich nochmal meine Adresse und wo die des Empfängers? Die Digital Natives kennen Briefe sowieso nur von Fotos. Ich meine, in was für einer Welt leben wir eigentlich? Überall nur Menschen, die ihren Blick auf das Smartphone gerichtet haben. Man verabschiedet sich mit den Worten „wir schreiben“ anstelle von „mach’s gut“ oder „pass auf dich auf.“ Die große Liebe findet man online über Tinder und Parship. Blöd nur, dass die oder der Auserwählte im 550 Kilometer entfernten Hamburg wohnt. Wie schön wäre da so ein traditioneller Liebesbrief? Ganz altmodisch. Ein Brief der von Herzen kommt, ganz persönlich, nur für mich. So richtig schön kitschig mit Füllfederhalter auf festem Briefpapier geschrieben. Neben der Unterschrift ein Herz und das Papier den Geruch des Liebsten versprühend. Wohlklingende Worte, süße Phrasen und das alles an nur eine Person gerichtet. An mich. Auf der anderen Seite gibt es so viele schöne Wege „Ich liebe dich“ zu sagen, da braucht es nicht unbedingt einen Brief dazu. Egal ob ein Kuss auf die Stirn beim tagtäglichen Aufbruch zur Arbeit oder das Mitbringen der Lieblingsschokolade vom Wocheneinkauf. Das alles ist mir tausendmal lieber. Obwohl so eine kleine handgeschriebene Botschaft auf dem Einkaufs-Post-It an der Haustür durchaus auch seinen Reiz hätte. Aber dann bitte nicht täglich. Es soll ja schließlich etwas Besonderes bleiben.