Familie und Freunde zurücklassen und im brasilianischen Regenwald den Neuanfang wagen: Bianca Kühnert geht den mutigen Schritt und verwirklicht damit ihren größten Traum vom eigenen Umweltprojekt.

Viele bewundern Bianca Kühnert für ihren mutigen Schritt, andere können es nicht nachvollziehen. Im Dezember zog die 35-Jährige gemeinsam mit ihren beiden Töchtern – zwei und vier Jahre alt – und ihrem Mann Cebolinha nach Brasilien in den Regenwald. Bäume soweit das Auge reicht, aber kein Wasser, keinen Strom und aktuell noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf. „Wir haben zwar ein kleines Häuschen, aber da müssen wir noch ein Dach drauf bauen“, sagt die Bambergerin und grinst. Ihr ist bewusst, dass sie und ihre Familie im Gegensatz zu Deutschland auf einiges verzichten müssen. „Aber was man dort zurückbekommt, das ist es absolut wert.“

Schon vor einigen Jahren packte Bianca Kühnert als freiwillige Praktikantin in Brasilien mit an. „Es war schon immer mein Traum, etwas für den Regenwaldschutz zu machen“, erzählt die Bambergerin.

Zurück in Deutschland sei sie dann beim Musikhaus Thomann in Treppendorf gelandet. „Als ich meinen Mann, er ist gebürtiger Brasilianer, kennengelernt habe, hat sich mein Wunsch weiter vertieft, mich für den Regenwald einzusetzen.“ Auf der Arbeit erzählte sie ihrer Chefin Claudia Riese aus Burgebrach von ihrem Traum. Diese war sofort Feuer und Flamme. „Gemeinsam mit ihr und einem Freund aus Spanien, haben wir uns dann getraut, den Neuanfang zu wagen und das Projekt ,Sauva‘ zu verwirklichen.“

Kauf von 26 Hektar Regenwald

Vor einem Jahr kauften die vier gemeinsam 26 Hektar Regenwald im Nordosten Brasiliens. „Früher stand da mal eine Kakaofarm, die vergessen wurde. Aber der größte Teil ist Regenwald, den wir wieder aufforsten wollen“, erzählt die 35-Jährige.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist es, den Einheimischen die nachhaltige Landwirtschaft nahezubringen. Derzeit bauen die Bewohner des Regenwaldes ihre Lebensmittel in Monokulturen an, die nur durch Einsatz von Pestiziden und Düngemittel Ertrag bringen.

Auf der Fazenda, dem Landgut des Projektteams,  fanden bereits Agrofloresta-Kurse statt. „Dort lernen die Einheimischen, dass sie ihre Lebensmittel wie Mais, Kakao oder Obst immer in Verbindung mit Regenwaldpflanzen anbauen sollen“, erklärt Bianca Kühnert. Statt einer Monokultur wird dadurch eine Multikultur gepflegt. Das sorge für ein biologisches Gleichgewicht, welches wiederum Schädlinge und Krankheiten verringert. Der Einsatz von Pestiziden sei nicht mehr nötig.

Projekt „Sauva“: Zusammenarbeit mit Einheimischen

Im August haben die vier Partner gemeinsam mehrere Wochen auf ihrer Fazenda verbracht, um den Einheimischen das Projekt „Sauva“ und ihr Vorhaben vorzustellen. „Natürlich waren sie am Anfang skeptisch. Da kommen die reichen Deutschen und sagen ihnen, sie dürfen keine Bäume mehr fällen und keine Tiere mehr jagen.“ Bianca Kühnert ist es wichtig, dass sie nicht nur Regeln aufstellen. So funktioniere das Projekt nicht. „Wir müssen uns das alles mit den Einheimischen zusammen erarbeiten.“

Eigentlich war der Plan, das alle nach den fünf Wochen im August erst einmal wieder mit zurück nach Deutschland kommen. Aber Cebolinha ist gleich dort geblieben. „Er wollte direkt mit der Arbeit beginnen. Er konnte es nicht abwarten“, sagt die 35-Jährige. Allein mit ihren beiden Töchtern flog die Bambergerin wieder zurück nach Deutschland. „Im Flugzeug habe ich mir schon überlegt, ob ein Neuanfang mit zwei kleinen Kindern im brasilianischen Regenwald funktionieren wird.“ Aber die fünf Wochen hätten ihr gezeigt, dass es funktionieren kann und dass sich auch ihre Kinder dort wohlfühlen. „Sie hatten keinerlei Spielsachen, doch sie haben nie nach etwas gefragt“, erklärt die 35-jährige Mutter.

Cebolinha unterrichtet in Brasilien derzeit die Kinder der Nachbardörfer in Capoeira, einem brasilianischen Kampftanz. Für ihre Capoeira-Schule in Bamberg musste kurzfristig Ersatz gefunden werden. „Wir haben aber gleich jemanden gefunden. Er ist aus der Schweiz extra hier her gezogen und übernimmt die Schule, wenn wir in Brasilien sind“, sagt Bianca Kühnert.

Hilfe durch Gegenhilfe

Doch was hat ein brasilianischer Kampftanz mit Umweltschutz zu tun? „Wir ködern die Kinder und deren Eltern mit Capoeira. Sie bekommen von uns kostenloses Training und Sprachunterricht. Dafür helfen sie uns beim Regenwald-Schutz“, erklärt Bianca Kühnert. Zudem gewinne man so am ehesten das Vertrauen der Einheimischen.

Die Menschen in  der Nachbargemeinde Nilo Peçanha leben abgeschottet in ganz einfachen Verhältnissen. Viele können nicht Lesen, nicht Schreiben. Etwas Geld verdienen sie sich durch den Anbau von Kakao. Wasser und Strom – Fehlanzeige. „Schmutzwasser sickert ungefiltert in den Boden, wie zum Beispiel beim Abwaschen des Geschirrs im Fluss. Außerdem herrscht Hygienemangel, da es keine Toiletten gibt“, erzählt Bianca Kühnert.

Durch günstige und einfach umsetzbare Systeme wie das „Bananen-Klo“ und die Nutzung von Regenwasser könne sich die Lebensqualität der Menschen verbessern, gleichzeitig werden die Auswirkungen auf die Umwelt reduziert. Hier will das Projekt ansetzen:  „Wenn wir zusammen anpacken, dann schaffen wir das.“

Weitere Informationen gibt es unter www.fazenda-sauva.com.  Fragen können einfach per Mail an info@fazenda-sauva.com gestellt werden.