Parship, ElitePartner oder eDarling – Millionen von Singles suchen online nach einem Partner. Die Partnerbörsen locken mit vielversprechenden Aussichten: „Wir verlieben Deutschland“, „Singles mit Niveau“ oder „seriöse Partnervermittlung“. Möchte man den Angaben von Parship glauben, verliebt sich dort alle 11 Sekunden ein Single. Hört sich einfach atemberaubend an. Doch wie erfolgreich ist Online-Flirten wirklich? LANDmadla hat zwei Fränkinnen getroffen, die ganz unterschiedliche Erfahrung gemacht haben.

 

Anita Schmidt, 51 Jahre, Einzelhandelskauffrau: „Viele türken ihre Angaben“

Papier ist geduldig – heißt ein altes Sprichwort. Auf die heutige Zeit übertragen, müsste es aber wohl doch eher lauten „Das Netz ist geduldig“. Diese Erfahrung hat zumindest Anita Schmidt gemacht. Die 51-jährige Mittelfränkin hat ihr soziales Glück über Parship, einer Online-Partnervermittlung, gesucht. Ihr Mann und sie hatten sich getrennt. Als sie sich Mitte 2013 bei Parship anmeldete, waren die beiden gerade im Trennungsjahr. „Ich war in dieser Zeit wenig unterwegs und im Fernseher lief immer die Werbung der verschiedenen Partnerbörsen“, erzählt sie. Da wurde die Mittelfränkin irgendwann neugierig. Mit dem Ziel, einfach mal reinzuspitzen und sich ein bisschen umzuschauen, meldete sie sich kostenlos bei Parship an. Doch das Verfängliche daran: Sie konnte zwar die Angaben der Männer lesen, die Gesichter der potenziellen Traummänner blieben allerdings unscharf. „Man liest über die Personen und fragt sich natürlich, wie diese wohl ausschauen mögen. Irgendwann meldet man sich dann kostenpflichtig an, um auch die Bilder sehen zu können“, erklärt Anita. Zwischen 350 und 380 Euro hat die Mittelfränkin für ein Jahr Partnervermittlung bei Parship hingeblättert. Das Ernüchternde: Ihren Traummann hat Anita über die Online-Partnerbörse leider nicht gefunden. Dieser lief ihr dann wenig später ganz oldschool offline im Fitness-Studio über den Weg.

Mann 1 und 2: Einmal und nie wieder

Drei Männer hat die 51-Jährige über Parship kennengelernt, die sie später auch persönlich getroffen hat. Bei Mann eins und zwei blieb es allerdings bei einem Ersten-Letzten-Date. Die beiden waren zwar optisch ganz ansprechend, vom Charakter her dann aber doch nicht nach dem Geschmack der Mittelfränkin. „Die beiden waren der Meinung, dass die Frau ihnen unterwürfig sein muss“, erzählt Anita. Eine Einstellung, die für sie bei Männern gar nicht geht, die sich beim Hin- und Herschreiben im Netz allerdings nicht bemerkbar machte. Und das ist laut Anita auch der Knackpunkt beim Online-Flirten: Wie ein Mann oder eine Frau tickt, merkt man erst, wenn er oder sie vor einem steht. „Man kann im Netz sehr viel und sehr schön schreiben, ob es tatsächlich der Wahrheit entspricht, erkennt man aber erst im realen Leben“, bringt es Anita auf den Punkt. Mimik, Gestik und Körpersprache seien eben doch nicht zu unterschätzen.

Mann 3: Der Macho unter den Bremern

Die ersten beiden Männer waren für die Mittelfränkin daher eher eine Negativerfahrung, die sie schon fast daran zweifeln ließen, ob sie sich noch einmal auf jemanden einlassen soll. Glücklicherweise lief es mit Mann drei – dem Bremer – dann doch etwas besser. Ein Vierteljahr  ging die Geschichte zwischen der Mittelfränkin und dem Mann aus dem hohen Norden. Aber auch bei ihm wurde Anita irgendwann stutzig. An ihr drittes Date erinnert sie sich noch heute mit einem Schmunzeln: „Wir wollten zusammen nach Erlangen fahren“, erzählt sie. Es war Winter und hatte gefroren. Da ließ er sie ihr komplett vereistes Auto alleine freikratzen und machte es sich derweil im warmen Auto gemütlich. „Es ist doch immer wieder schön, was einem das Leben so vor Augen führt“, erzählt Anita lachend.

Ihrem Humor scheint die Mittelfränkin trotz der drei Männerreinfälle nicht verloren zu haben. Und auch die Zeit in der sie bei Parship aktiv war, war für sie keine verlorene. „Das Stöbern und Hin- und Herschreiben war ein netter Zeitvertreib“, erzählt Anita.  Gerade in der Trennungsphase, in der sie abends viel alleine vor dem Fernseher saß. Dennoch ist diese Art der Partnersuche nichts für die Mittelfränkin. Dass viele ihre Angaben türken, verschönern oder Dinge verschweigen, darüber muss man sich laut der 51-Jährigen im Klaren sein. Und auch, dass man den Menschen mit seinen Werten und Charakterzügen eben doch erst richtig kennenlernt, wenn man sich in der Offline-Welt trifft.

Sophie Müller, 45 Jahre, Area Managerin bei einer Modefirma: „Mein Mann hat mich 240 Euro gekostet“

„Ich zahle für keinen Mann“, das war Sophie Müllers Devise – schon immer. Zahlungspflichtige Partnerbörsen wie Parship oder Elitepartner kamen für die Forchheimerin daher eigentlich nicht infrage. Dennoch meldete sie sich im Januar vor sieben Jahren bei Parship an. Euphorisch war sie nicht sonderlich, denn die Initiative ging weniger von ihr aus. Vielmehr schiebt sie ihrer damaligen Mitbewohnerin den schwarzen Peter zu. Sie ließ einfach nicht locker und überredete Sophie schließlich. Der schwarze Peter stellte sich im Nachhinein allerdings sehr schnell als atemberaubender Joker heraus. Heute ist Sophie heilfroh, dass sie auf ihre Mitbewohnerin gehört hat. Sonst wäre der Oberfränkin die Liebe ihres Lebens wohl niemals im Netz ins Netz gegangen. Aber von vorne:

Es war definitiv Liebe auf den ersten Blick.

Leicht esoterisch angehaucht, ließ ihre Mitbewohnerin damals ihr Pendel über Sophies PC schwingen. Das Ergebnis: Sophie müsse sich unbedingt auf Parship anmelden. Die Oberfränkin war von dieser Idee allerdings nur semi-begeistert, weshalb sie ihr Profil auch nur mit den nötigsten Informationen fütterte. Auf ein Bild von sich verzichtete Sophie gleich gänzlich. „Das war eines der spärlichsten Profile, die es auf Parship wohl jemals gab“, erzählt sie uns lachend. Einsatzbereitschaft sieht definitiv anders aus. Und trotzdem. Bereits am zweiten Tag hatte sie schon einige Nachrichten in ihrem Posteingang – darunter an zweiter Stelle auch eine Nachricht von Klaus. „Was für ein Proll. No way!“ – war der erste Gedanke, der ihr bei seinem Profilbild – ein Mann vor einem BMW Z3 – durch den Kopf schoss. Trotzdem schrieb sie dem mysteriösen Sportwagen-Fahrer zurück, der wie sich herausstellen sollte, ziemlich charmant und zuvorkommend war – und darüber hinaus noch ein echter Modekenner. Wusste er doch tatsächlich mit Manolo Blahnik und Chanel etwas anzufangen. Die Chemie zwischen den beiden stimmte einfach von Anfang an. Sechs Stunden dauerte ihr erstes Telefonat wenige Tage nach der ersten Kontaktaufnahme. Bis spät in die Nacht in ihren Geburtstag hinein. Einige Tage später überraschte Sophie ein Kurier mit einem riesigen Blumenstrauß. Nach zehn Tagen dann das erste Treffen in Passau, wo Klaus damals noch wohnte. „Die Zugfahrt war total romantisch. Wir haben während der gesamten Fahrt telefoniert“, erzählt Sophie.  Am Bahnsteig erreichte die Nervosität der beiden dann den Siedepunkt. „Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so nervös“, erzählt sie. Und auch Klaus ging es ähnlich, wie uns Sophie verrät. Die beiden verbrachten ein unvergessliches Wochenende zusammen. „Es war definitiv Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Sophie noch heute von ihrem ersten Date, dem noch viele folgen sollten. Ein halbes Jahr später zog Klaus dann zu Sophie und ihren beiden Kindern nach Franken. Es kann also auch in einem Dating-Portal mal ziemlich schnell gehen.

Dass sie anfangs so skeptisch gegenüber Parship war, führt sie unter anderem auf ihre Erfahrungen mit der damals noch kostenlosen Dating-Plattform FriendScout24 zurück. Nach ihrer Scheidung mit 31 Jahren war sie dort einige Zeit unterwegs. „Das war ein lustiger Zeitvertreib. Die Bilder der Männer stimmten fast nie“, schmunzelt Sophie. Und auch die Absichten der Männer, die sich dort tummelten, waren eher kurzfristiger Natur. Für Frau, die nach etwas Festem sucht, damit also weniger brauchbar. Bei kostenpflichtigen Partnerbörsen sieht das laut der Oberfränkin schon anders aus: „Die Männer, mit denen ich über Parship geschrieben habe, waren alle ganz normal und tatsächlich an einer langfristigen Beziehung interessiert.“ Was laut Sophie auch völlig einleuchtend ist: Schließlich muss man für die Partnervermittlung bei Parship Geld zahlen. „Ich sage heute immer, mein Mann hat mich 240 Euro gekostet“, erzählt sie uns lachend. Denn so viel musste sie für ein halbes Jahr Parship zahlen. Rückblickend betrachtet eine gewinnbringende Investition: Seit sechs Jahren sind Sophie und Klaus bereits glücklich verheiratet.  „Ich habe mein Gegenstück gefunden und das über Parship“, sagt Sophie.

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