Normalerweise feilscht Frau auf dem Friseurstuhl um jeden Zentimeter ihrer geliebten Haare. Ganz anders handhabte das Jeanette Pechtold bei ihrem letzten Friseurbesuch. Die gebürtige Kronacherin ließ sich ihre langen braunen Haare, die innerhalb von vier Jahren fast bis zum Po gewachsen waren, rappelkurz abschneiden. Eine mutige Typveränderung – und das für den guten Zweck. Aus ihren Haaren wird nun eine Echthaarperücke gefertigt – für Frauen und Mädchen, die an Krebs erkrankt sind. Im Interview erzählt die 29-Jährige, warum es sich manchmal lohnt, mutig zu sein, und warum das die schnellste Diät ihres Lebens war.

Wie sind Sie darauf gekommen, dass man Haare spenden kann?

Jeanette Pechtold: Auf die Idee hat mich meine liebe Schwester gebracht. Sie hat mir vor einem Jahr erzählt, dass eine Freundin von ihr das schon gemacht hat. Die Idee fand ich total cool, und mir war klar, wenn ich mir mal die Haare abschneiden sollte – wenn ich soweit bin – , dann werde ich das auch so machen. Seit Mai habe ich hin und her überlegt, und in der letzten Zeit wurde es immer konkreter. Dann habe ich die Suchmaschine angeschmissen und die Seite auch gleich gefunden.  Als ich mir das alles durchgelesen habe, habe ich festgestellt, dass das ja alles gar nicht so kompliziert ist.

Warum wollten Sie spenden?

Da meine Haare jetzt schon so lang gewesen sind, wollte ich sie nicht einfach wegschmeißen. Und so kann man damit ja doch noch etwas Gutes tun. Da das nicht meine erste Kurzhaarfrisur ist,  habe ich auch noch einige Zöpfe zu Hause liegen. Da bin ich auch schon am überlegen, ob ich die noch hinschicken soll. Daheim nutzen sie ja niemandem etwas.

Wie hat Ihre Friseurin auf ihren besonderen Wunsch reagiert?

Das war eigentlich ganz witzig. Sie hat von der Aktion nämlich nichts gewusst. Sie meinte dann noch: „So, Jeanette, was machen wir denn heute? Ich hol mal deine Karte.“ Dann hab ich ihr gesagt, dass wir die heute nicht brauchen. Wir machen etwas ganz anderes. Sie fand die Idee super und meinte, dass ich sie für den Tag total glücklich gemacht habe – und dann haben wir das zusammen durchgezogen.

Normalerweise feilscht Frau beim Friseur ja um jeden Zentimeter …

Ich habe  ja schon öfters mal kurze Haare gehabt. Aber dieses Mal waren sie schon extrem lang. Aber was soll’s, die wachsen doch wieder. Was soll denn da schon schiefgehen?

Worauf muss man achten?

Man muss darauf achten, dass die Haare gewaschen sind, dass sie alle in eine Richtung liegen und, dass man sie zusammenbindet. Weil ich so viele Haare hatte, haben wir es auf zweimal gemacht, damit nichts verfilzt. Dann einfach Abschneiden und fertig.

Wie war das, als die Friseurin die Schere angesetzt hat?

Zuerst habe ich mir gedacht: „Oh Gott, was machst du denn jetzt schon wieder?“ Als der erste Zopf weg war, habe ich gleich gespürt, dass das viel leichter ist. Man denkt immer gar nicht, wie schwer so Haare sein können. Wir haben sie sogar gewogen. Die zwei Zöpfe waren nicht ganz 300 Gramm schwer. Naja, das ist dann wohl die schnellste Diät.

Haben Sie es bereut?

Nein, auf gar keinen Fall. Ich hab das auch völlig der Friseurin überlassen, sie kennt sich aus und weiß, was mir steht. Ich hatte nur ein Bild aus dem Internet dabei. So ähnlich sollte es ausschauen, der Rest war mir egal.

Wie geht es mit den abgeschnittenen Zöpfen jetzt weiter?

Ich habe die Zöpfe in einen Umschlag gepackt und eingeschickt. Zu den Haaren musste man ein Formular dazu legen mit Name und einer Einverständniserklärung. Ab einer Haarspende von 30 Zentimeter kann man sich dann auch noch einen Verein aussuchen, wofür das Unternehmen zusätzlich einen Geldbetrag als freiwillige Spende zahlt. Und je länger und schwerer die Haare sind, umso mehr spenden sie. Ich habe mich für  den Verein „Horizont Kinderkrebshilfe“ in Borken-Weseke entschieden.

War das der Grund, warum Sie sich für dieses Unternehmen entschieden haben? Es gibt ja mehrere, die solche Perücken machen.

Ja, das war auf jeden Fall ein Grund, weil man so doppelt Gutes tut. Zudem legt die Einrichtung wert darauf, dass es europäisches Haar ist. Das verstehe ich auch. Wenn ich in der Situation wäre, würde ich auch lieber mit Haaren rumlaufen wollen, die meinem Haar ähnlich sind.

Haben Sie auch einmal darüber nachgedacht, wem am Ende durch eine Perücke aus Ihren Haaren wieder Lebensmut geschenkt wird?

Eigentlich ist es mir egal, wer meine Haare bekommt. Es sind so viele Menschen, die an Krebs erkranken. Meine Spende kommt bei den richtigen an. Und man sieht: Helfen geht heutzutage ganz einfach. Man muss nicht so viel darüber nachdenken, sondern einfach mal etwas durchziehen. Wer etwas Gutes tun will, findet immer Möglichkeiten und Wege.

Und so funktioniert’s! Wenn du mehr über die Aktion erfahren willst, schaue einfach auf der Internetseite www.haare-spenden.de vorbei. Dort wird die Vorgehensweise genauer erklärt.