Mit 16 Jahren kam Trong Hieu Nguyen aus Bad Kissingen unter die Top 25 bei „Deutschland sucht den Superstar“. Sieben Jahre später nutzte er hellwach seine Chance und gewann bei der vietnamesischen Version der Sendung. In dem Heimatland seiner Eltern ist er nun wohl der berühmteste Deutsche.

Eigentlich wollte Trong in Vietnam nur seine Familie besuchen und etwas Urlaub machen. Doch dann kam alles anders:  „An einem sonnigen Tag in Hanoi habe ich mit meinem Dad in einem Café gechillt. Dann habe ich einen Anruf von einem guten Freund bekommen. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, an der letzten Audition von Vietnam Idol teilzunehmen“, erzählt Trong, der aus dem unterfränkischen Bad Kissingen kommt. Wieso denn eigentlich nicht, dachte er sich. Zu verlieren habe er nichts. Er könne nur dazu lernen. „Daraufhin bin ich zum Flughafen gesprintet und habe den nächsten Flieger nach Ho Chi Minh Stadt genommen. Ich bin sofort zur Location gefahren und habe als allerletzter Teilnehmer vorgesungen“, erzählt der 25-Jährige. Ein paar Monate später gewann er die Show und wurde zum Superstar. Seitdem hat er Hits mit über 30 Millionen Views auf Youtube unter den besten zehn gelandet und hat mehrere Awards als „Bester Newcomer“ gewonnen.

Bei seinen Auftritten steigt Trong mit seiner Stimme gerne samtig in seine Songs ein. Nachdenklich sitzt er auf einem Barhocker oder neben dem Klavier. Doch dann geht es richtig los: Tanzeinlagen, Sprünge, einen heißen Hüftschwung und ab und zu erhaschen die Fans auch einen Blick auf seinen sportlichen Körper. Kein Wunder, dass er in Vietnam nur „The German Hot Boy“ genannt wird. Wenn er die Bühne betritt, kommen seine meist weiblichen Fans aus dem Kreischen nicht mehr heraus: Trong spricht wie ein Vietnamese und tanzt wie ein Ausländer – eine reizvolle Kombination für seine weiblichen Fans. Er sei ein guter Mix aus beiden Kulturen. „Ich bin sehr ehrgeizig und arbeite fokussiert, das habe ich aus Deutschland.“ Was Pünktlichkeit und Ordnung angeht, da sei er eher vietnamesisch. Ganz im Gegensatz zum Motorradfahren: Das muss der 25-Jährige noch einmal üben. „Das können alle Vietnamesen viel besser als ich.“ Lässig mit einem Motorrad die Kurven nehmen und das mit einem Mädchen hintendrauf – gar nicht mal so einfach. Das bemerkte er bei einem Fotoshooting und Videodreh für eine große Motorradmarke.

Im letzten Jahr hat der 25-Jährige in Vietnam begonnen als unabhängiger Künstler zu arbeiten – ohne Plattenlabel. „Anfangs kam es mir so vor, als würde ich mit bloßen Händen und null Wissen da stehen. Aber mithilfe meines Teams hat sich das Ende des Jahres um 180 Grad geändert. Ich habe viel mehr geschafft, als ich mir vorgestellt habe.“

In diesem Jahr will der 25-Jährige in Vietnam mehrere neue Singles veröffentlichen. Anfang Mai erscheint dann sein erstes, offizielles Album. „In der Phase wünsche ich mir, dass ein Tag mindestens 30 Stunden hat“, sagt Trong und lacht. Seine Tage sind meist komplett durchstrukturiert. Nach dem Aufstehen macht er erst einmal 100 Liegestützen, 50 Kniebeugen und 100 Crunches. „Das bringt mir schnell Power und Energie, damit ich hellwach in den Tag starte.“ Danach gehe es direkt zur Sache: Tanztraining, Tonstudio, Interviews, Klamotten-Fitting und Auftritte. Zudem ist Trong derzeit dabei, sein Team und seine Karriere in Deutschland aufzubauen. „Letztes Jahr war ich mit großem Erfolg der „Opening Act“ bei den Videodays 2017 in der Lanxess Arena Köln vor rund 15 000 Zuschauern. Zudem war ich in Deutschland auf Tour und hatte einen tollen Auftritt im Januar beim Presseball in Berlin.“ Auch in Deutschland will er dieses Jahr mehr Singles veröffentlichen. Sein größter Traum: „Für Deutschland bei dem Eurovision Song Contest anzutreten.“ Einmal hat er es mit dem ESC schon versucht, scheiterte aber in der Vorauswahl.  Gemeinsam mit seinem Team plant er derzeit einen großen Auftritt, der Anfang 2019 in Bad Kissingen stattfinden soll.

Seine fränkische Heimat vermisst der 25-Jährige sehr, vor allem seine Eltern. „Ich habe niemals gedacht, dass ich es mal sagen würde, aber ich vermisse es auch, in unserem ,Hanoi Bistro‘ zu arbeiten, weil ich da viel mit den Franken reden und mein ,R‘ wie ein richtiger Franke rollen durfte“, sagt Trong und lacht. Obwohl ihm seine Familie und seine Freunde sehr fehlen, hat der 25-Jährige entschieden, in Vietnam zu leben. „Meine Arbeit macht total viel Spaß. Und das lenkt vom Vermissen und der Sehnsucht ab.“ Jeden Monat fliegt Trong jedoch zurück nach Deutschland, um sich Zeit nur für seine Freunde und seine Familie zu nehmen. „Ich pendle zwischen Weltmetropolen hin und her. Wenn ich wieder nach Bad Kissingen komme, merke ich, wie mir die Natur und die Ruhe fehlen.“

Auf seinem ganzen Weg stand seine Familie immer hinter ihm. „Ohne ihre Unterstützung könnte ich niemals das tun, was ich heute tue. Ich hätte auch nicht den Mut gehabt, diesen Weg einzuschlagen“, erklärt Trong. Als er acht Jahre alt war, ist sein Vater mit ihm jeden zweiten Tag joggen gegangen. Sogar im Winter bei Schnee. „Ich hatte nie Lust und wollte lieber zu Hause spielen. Aber heute bin ich ihm sehr dankbar, weil er mir gezeigt hat, dass man nur mit Disziplin und Ehrgeiz seine Träume erreichen kann“, sagt Trong. Seine Mama dagegen war und ist für ihn ein Vorbild in Sachen Zielstrebigkeit und Kampfgeist. „Sie hat mir nicht meine Tränen genommen, sondern mir gesagt, dass ich aufstehen und für meine Träume kämpfen soll. Ich bin sehr dankbar für meine Familie. Ich bin vielleicht der glücklichste Mensch der Welt.“

Titelbild: Sandra Ludewig, Universal Music GmbH