Ein bewundernswerter Sixpack, muskulöse Arme und Beine – der Körper von Jessy Brehme ist komplett durchtrainiert. Ein hartes Stück Arbeit – nicht nur vor Wettkämpfen, sondern das ganze Jahr über. Uns hat sie verraten, warum sie es bei ihrem ersten Auftritt kaum erwarten konnte, wieder von der Bühne zu gehen, was sie jetzt am Bodybuilding fasziniert und was Außenstehende über ihren durchtrainierten Körper denken.

Braun gebrannt in einem knappen, lila-blauen Glitzerbikini und silbernen High-Heels so steht Jessy Brehme auf der Bühne. Haare und Schminke sitzen perfekt. Durch abgestimmte Posen bringt Jessy ihre Muskeln perfekt zur Geltung. „Mich im Bikini und High-Heels vor fremden Leuten präsentieren, dass konnte ich mir nie vorstellen. Aber ich wollte es einmal in meinem Leben ausprobiert haben“, erzählt die 37-Jährige aus Kemmern. Ganz nach dem Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann.

Bereits seit über 20 Jahren geht Jessy regelmäßig ins Fitnessstudio und trainiert ihre Muskeln. „Schon mit sieben Jahren hatte ich das erste Mal Hanteln in der Hand, weil mein Dad ein eigenes, kleines Fitnessstudio in seinem Dachboden hatte“, erzählt sie. Auf der Bühne stand sie im Frühjahr dieses Jahres jedoch zum ersten Mal.  Ihr Ziel: Einmal beim Wettkampf in der Bamberger Kongresshalle mitmachen. Just for fun versteht sich. Zwei Monate vor dem Wettkampf hat sie mit einer Diät begonnen und sich von einem Trainer professionell vorbereiten lassen. „Und dann hatte ich fünf Wettkämpfe hintereinander. Immer mit einer Woche Abstand“, erzählt Jessy.

Neuer Versuch trotz Niederlage

Starke Frauen - Bodybuilderin Jessy Brehme

Foto: Thomas Koch

Doch der erste Auftritt in Fulda war für die 37-Jährige ein Albtraum. „Ich kam da hin und dachte mir nur: ,Ne, das geht gar nicht!‘ Auf der Bühne haben meine Beine so gezittert.“ Jessy war froh, als sie wieder runter durfte. „Das war alles andere als Genuss“, erzählt sie heute. Doch den Wettkampf in Bamberg wollte sie trotz dieser Erfahrung unbedingt noch mitmachen – schließlich hat sie darauf die letzten Wochen  hart trainiert und auf einiges verzichtet. „Als ich dieses Mal auf die Bühne gegangen bin, habe ich gemerkt, dass das wirklich irgendwie etwas hatte.“ Und ab diesem Zeitpunkt war es um Jessy geschehen: Von Woche zu Woche hat sie gemerkt, dass ihre Form besser wurde, sie sich bei dem Ganzen immer wohler gefühlt hat und die Plätze stetig besser wurden. Bei der Bayerischen Meisterschaft hat sie sich dann noch für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert und hat es dort in der Frauen-Fitnessklasse direkt ins Finale geschafft. „Das war mehr als ich je erwartet hatte.“

Doch die Vorbereitung auf solche Wettkämpfe hat Jessy anfangs unterschätzt. „Das alles mal nebenbei machen, ist nicht drin. Da hängt viel mehr mit dran als nur Training.“ Schon zwei Tage vor dem Wettkampf musste sich Jessy anmalen lassen, sie musste sich einen Bikini anpassen lassen und brauchte unechte Wimpern – das ist sogar Pflicht bei solchen Wettkämpfen. Und dann noch die Ernährung: Gesundes Essen ohne Zucker, das perfekt abgestimmt sein muss. Die Vorbereitung der Mahlzeiten – ein wahrer Zeitfresser. „Die Kunst daran ist, dass du immer die richtige Menge an Kohlenhydrate, Proteine und Fette zu dir nimmst“, erklärt Jessy.  Für die letzten sechs Tage vor dem Wettkampf gab es in ihrer letzten Vorbereitung nochmal extremere Regeln: Die ersten drei Tage davon nur Eiweiß essen und zehn Liter trinken. An den letzten drei Tagen vor dem Wettkampf gab es dann nur noch Kohlenhydrate, damit der Muskel wieder voll wird. Trinken durfte Jessy eineinhalb Tage vor dem Wettkampf nichts mehr. „Und dann musste ich ja noch üben, wie man sich aufstellt und sich präsentiert. Wenn du auf Diät bist und sowieso schon keine Kraft hast und dann noch deine Muskeln anspannen musst, das ist wirklich die Hölle“, sagt die 37-Jährige.

Als Außenstehender fragt man sich: Warum diese Quälerei?

Starke Frauen - Bodybuilderin Jessy Brehme„Irgendwie ist es zu einer Art Sucht geworden. Es macht mir riesig Spaß auf der Bühne zu stehen und mich zu präsentieren. Das hätte ich nie gedacht“, erklärt Jessy. Zeit für etwas andere bleibt während der Vorbereitung kaum. Für Freunde und Familie nicht immer einfach.  „Man braucht wirklich den perfekten Partner, der das alles so akzeptiert. Meinen Mann kenne ich schon seitdem ich 17 bin. Er weiß, wie ich funktioniere und akzeptiert das. Ein anderer würde das nie mitmachen“, ist Jessy sichtlich dankbar. Auch für Freunde oft nicht einfach: „Viele Freundschaften können daran auch zerbrechen. Deswegen hoffe ich, dass meine Tochter nicht ganz so schlimm wird wie ich“, sagt Jessy und schmunzelt. Zum Glück kann sich Jessy wenigstens ihre Arbeitszeit als Buchhalterin frei  einteilen.

Als Jessy beschloss, auf Wettkämpfe zu gehen, war ihre Familie anfangs nicht wirklich begeistert. „Meine Mama versteht es nicht, wie ein Mensch sich das alles antun kann mit den Diäten und der Entwässerung vor den Wettkämpfen“, erzählt Jessy. Dennoch unterstützen ihre Eltern sie und waren auch schon öfters bei Auftritten dabei. „Auch mein Mann hatte anfangs starke Probleme damit. Aber mittlerweile steht er so hinter mir, unterstützt und motiviert mich. Da bin ich wirklich sehr dankbar.“ Auch immer mit dabei die siebenjährige Tochter Bailey-Sue, die Mama mächtig motiviert. Außenstehende reagieren oft sehr skeptisch auf Jessy und ihren Sport. „Ich werde auch oft gefragt, was ich mir für einen Stoff reinziehe.“  Eine Frage, die Jessy eigentlich nicht mehr hören kann. Viele finden ihren durchtrainierten Körper auch nicht schön, gar zu männlich – doch darauf gibt die 37-Jährige nichts.

Aktuell ist sie wieder in der Vorbereitung für ihre nächsten Wettkämpfe. Dieses Mal auch mit 16 Wochen Vorlaufzeit. „Und die nutze ich voll aus“, sagt Jessy und lacht. „Mein jetziger Trainer will mich im Herbst dann auch für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Ob ich das Zeug dazu habe, weiß ich nicht. Ich bin ja schon 37. Aber er hat gesagt, das machen wir auf jeden Fall.“

Titelbild: Thomas Koch