Ein Schippchen Sand als Urlaubserinnerung für Zuhause hat den Stein ins Rollen gebracht. Heute hat Martina Schrödel aus Burgthann 129 Einmachgläschen mit Sand aus aller Welt in ihrem Haus stehen.

Es ist 1995. Eine junge Frau aus Franken spürt den heißen, gelben Sand unter ihren nackten Füßen. Zum ersten Mal. Atmet den salzigen Duft des Meeres ein, lauscht dem Rauschen der Wellen. Zum ersten Mal. Sie spaziert endlos lange an einem Strand auf Fuerteventura entlang. „Und plötzlich stand ich auf schwarzem Sand“, erinnert sich Martina Schrödel aus Burgthann bei Nürnberg.  Klar, Bilder von Stränden hatte sie oft gesehen. Und klar war ihr auch, dass Sand unterschiedliche Farben haben kann. Aber dieser Farbunterschied war unglaublich. Von Gelb zu Schwarz. „Ich konnte nicht anders und musste mir sofort ein wenig vom gelben und ein wenig vom schwarzen Sand in zwei kleine Filmdöschen abfüllen. Daheim kam der Sand in zwei Einmachgläschen und ab in die Vitrine“, sagt Martina. Heute, 24 Jahre später, gibt es keine Filmdöschen mehr.

Urlaub im Einmachglas: Sand-Sammeln als körniges Hobby

Martina Schrödels Sandsammlung Foto: privat

Dafür aber stehen sage und schreibe 129 kleine Einmachgläschen gefüllt mit Sand aus der ganzen Welt in Martinas Haus. Wenn Sand neben Sand neben Sand steht, ist die Vielfältigkeit der Farben, der Strukturen und Körnigkeit zu erkennen. Feiner weißer Sand, gelber grober Sand, roter körniger Sand, schwarzer, grauer, brauner Sand.  Alle 129 Gläschen sind in Martinas Haus ordentlich aufgereiht. „Glücklicherweise habe ich genug Einmachgläschen für den ganzen Sand“, sagt Martina. Lachend erzählt sie, dass die Firma, bei der sie die Gläschen gekauft hatte, die Einmachgläser aus dem Sortiment genommen hatte. „Ich habe damals kurzerhand bei der Firmenleitung angerufen und meine Not erklärt“, erinnert sie sich. Und tatsächlich bemühte sich das Marketing der Einzelhandelskette und konnte im Zentrallager noch einen Karton mit 50 Gläsern auftreiben. „Das war meine Rettung!“

Bitte nicht mit Curry verwechseln!

Heute stehen im Eingang von Martinas Haus die Einmachgläschen gefüllt mit rotem, gelbem oder orangefarbenem Sand. „Wer mich zum ersten Mal besucht, fragt immer, ob ich wohl Gewürze sammle“, sagt Martina. Tatsächlich sehen  die Sandkörner wie Currypulver, roter Pfeffer oder wie gemahlener Kreuzkümmel aus. Anfangs nahm sich Martina aus jedem Urlaub ein bisschen Sand mit. Später brachten ihr mehr und mehr Freunde Sand aus ihren Urlauben mit. „Rund 20 Prozent der Gläschen sind von mir selbst gesammelt“, sagt Martina. Alle anderen haben ihr Freunde mitgebracht. Martina hat Sand aus Deutschland, Amerika, Asien, vom Mittelmeer, der Pazifikküste, der Atlantikküste. Weitgereisten  Sand vom Uluru (Ayers Rock) in Australien.

Urlaub im Einmachglas: Sand-Sammeln als körniges Hobby

129 Gläser hat Martina Schrödel bereits mit Sand befüllt Foto: privat

Nahe gelegenen Sand vom Monte Kaolino bei Hirschau in der Oberpfalz. Sand von den Palau-Inseln, den Galapagos-Inseln und Sand aus Hawaii. Martina hat ihren Sand katalogisiert, die Gläschen beschriftet. „Mein Traum war ja mal, mein Haus rund um meinen Sand zu bauen“, erklärt Martina lachend. Heute ist zwar nicht das Haus rund um den Sand gebaut. Aber alle Einmachgläschen haben in Martinas Haus Platz gefunden. Eine Sammlung, die zum Träumen einlädt. Die Martina plötzlich in die Karibik schickt auf eine Sandbank schickt und das Rauschen des Meeres hören lässt.

Sand – eine verbotene Urlaubserinnerung

Martina verreist inzwischen nicht mehr so viel. „Außerdem“, sagt sie, „würde ich mich gar nicht mehr trauen, Sand mitzunehmen, denn in manchen Ländern ist das ja gar nicht mehr erlaubt.“ Tatsächlich gib es Länder, in denen der Sand am Strand bleiben muss.

„Auf Sardinien ist jede Art von Veränderung der Sandstrände oder die Mitnahme von Sand, Kiesel oder Quarzgestein, auch nur in kleinster Menge, gesetzlich verboten“, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite. Wer Sand aus Sardinien mitnimmt, muss mit einer Strafe von bis zu 3000 Euro rechnen. Auch in vielen anderen Ländern gelten Sand, Steine oder Muscheln als Kulturgut und dürfen nicht als Souvenir mit nach Hause genommen werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich auf der Innenseite des Auswärtigen Amtes informieren.