Schmetterlinge im Bauch und Herzklopfen bis zum Hals, sodass es einen fast atemlos macht – gibt es ein schöneres Gefühl als verliebt zu sein? In das Leben des ehemaligen Priesters Marcus Lux aus Burkardroth in Unterfranken schlich sich die Liebe langsam. Plötzlich war da mehr als nur Freundschaft und er musste sich entscheiden – für sein Priesteramt oder das Leben mit Katharina…

 

Als der damalige Pfarrer Marcus Lux Katharina  kennenlernte, kam er gerade von einer achtwöchigen Kur zurück. Es ging ihm damals nicht so gut: Ein Tief, aus dem er aber glücklicherweise schnell wieder rauskam. Über die Jugendarbeit in der Gemeinde Burkardroth haben sich die beiden – er in seiner Rolle als Pfarrer und sie als angehende Grundschullehrerin – angefreundet. „Am Anfang war es eine normale Freundschaft“, erzählt Lux. Nach etwa einem Jahr habe er dann aber gespürt, dass da mehr ist. Doch ließ er den Entwicklungen erst mal ihren Lauf. „Ich habe gemerkt, dass es mir soweit wieder gut geht und ich so glücklich und zufrieden bin.“ Durch ihre gemeinsamen Aktivitäten in der Gemeinde sahen sich die beiden fortan regelmäßig. Irgendwann trafen sie sich auch privat in Würzburg, wo Katharina Grundschullehramt studierte. Ob er gegen seine Gefühle angekämpft hat? „Nein, das würde ich so nicht sagen. Zunächst einmal war es ein schönes Gefühl. Die kritischen Punkte und was da alles dranhängt, das wurde mir erst mit der Zeit bewusst“, erzählt er. Aus dem schönen Gefühl des Verliebt-Seins wurde somit ein Potpourri an Gefühlen: Verliebt-Sein, Schmerz, Angst, Unsicherheit, innere Zerrissenheit. „Ich hatte die Wahl, das eine oder das andere aufzugeben. Beides in Kombination – das wusste ich – geht nicht“, erzählt Lux. Denn seine Liebe zu Katharina geheim zu halten und als Priester weiterzuarbeiten, das kam für ihn nie infrage. Also zog er die Reißleine und suchte das Gespräch mit der Diözese Würzburg, in dem er um ein Sabbatjahr bat. In dieser einjährigen Auszeit vom Kirchendienst wollte er zu einer Entscheidung finden. Das war im Dezember 2011. Lux verließ Burkardroth und zog zu einem Freund in seine Heimatstadt Miltenberg, wo er bis September 2012 wohnte. In dieser Zeit telefonierte er regelmäßig mit Katharina. Ab und an trafen sich die beiden. Außerdem führte Lux viele Gespräche mit dem damaligen Generalvikar Karl Hillenbrand. „Er hat uns sehr gut begleitet in dieser schwierigen Zeit“, sagt Lux. Dabei sei er ganz offen mit ihnen beiden gewesen. „Es ging ihm nicht darum, mich von meinem Weg abzubringen. Sondern darum, dass wir beide für uns die richtige Entscheidung treffen.“ Eine schwerwiegende Entscheidung. Der damalige Generalvikar hatte bereits mehrere Priester in ähnlichen Situationen begleitet, so Lux, und schon beide Ausgänge erlebt: Priester, die ihr Amt niederlegten und glücklich wurden und Priester, die diesen Weg gingen und unglücklich wurden.

Entscheidung für die Liebe

Wieder und wieder spielte Lux die beiden Wege im Kopf für sich durch. Irgendwann machte ihm der Gedanke, alleine in eine neue Pfarrei zu gehen, alleine im Pfarrhaus zu leben und niemanden zu haben, solche Angst, dass die Entscheidung immer eindeutiger wurde. „Der Gedanke, die Beziehung zu Katharina aufzugeben, hat sich einfach nicht richtig angefühlt“, erinnert er sich. Im September 2012 ist er dann mit ihr an den Ammersee gezogen, wo Katharina als Grundschullehrerin eingesetzt wurde. Wie die Kirche auf seine Entscheidung reagierte? „Ich kann gegen die Diözese Würzburg nichts sagen. Sie hat uns vorgeschlagen, dass wir erst mal schauen, wie sich das gemeinsame Leben anfühlt – uns quasi eine Art Probezeit gewährt“, erzählt Lux. Nach einem halben Jahr beendete er diese „Probezeit“ schließlich und teilte der Diözese seine endgültige Entscheidung mit. Im März 2013 schied Marcus Lux damit offiziell als Priester aus der Kirche aus.

Diskrepanz der Lebensformen

Also hat er noch eine positive Einstellung zur Kirche, wollen wir von Marcus wissen. „Ja natürlich“, entgegnet dieser und lacht. „Dass ich nicht mehr in der Kirche tätig sein kann, das schmerzt. Ich habe mit großer Leidenschaft in der Kirche gearbeitet. Die Entscheidung für den Beruf war auf keinen Fall falsch“, erklärt er. Nur habe er nach einigen Jahren gemerkt, dass die Lebensform nicht die richtige für ihn war. Kein Partner, mit dem man seine Sorgen und Ängste teilen kann, keine Familie, stattdessen Allein-Sein. „Natürlich ist man als Priester viel unter Menschen, aber eben doch in einer ganz besonderen Rolle. Das ist nicht das Gleiche als wenn man unter Freunden oder in der Familie ist“, erklärt er. Irgendwann spürte er, dass da etwas fehlte. Eine Erfahrung, die er allerdings erst nach einigen Jahren als Priester machte. „Ich selber bin mit der Zeit einfach krank geworden, nicht schwer, aber dennoch. Aber zum Glück bin ich aus dem Tief, in das ich gefallen bin, schnell wieder rausgekommen“, erzählt er. Für völlig falsch hält Marcus das Zölibat dennoch nicht. Allerdings ist er heute der Meinung, dass es durchaus beide Lebensformen in der Kirche geben könnte: Priester, die nach dem Zölibat leben und verheiratete Priester, die in einer Ehe beziehungsweise Familie leben – von beidem könnte die Kirche profitieren. „Vieles, was ich damals als Priester gesagt habe, würde ich zum Beispiel heute als verheirateter Mann mit einem Kind so nicht mehr sagen“, gibt er zu.

Neuanfang in sozialer Einrichtung

Sechs Jahre ist es nun schon her, dass Marcus sein Priesteramt niederlegte. Inzwischen arbeitet er als Bereichsleiter in der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth. Die Diözese Würzburg hat ihn bei seinem beruflichen Neuanfang unterstützt, was wie uns Marcus verrät, allerdings nicht selbstverständlich ist. „Es hat auch schon Priester in anderen Diözesen gegeben, die noch ein Monatsgehalt bekommen haben und dann sehen mussten, wie sie über die Runden kommen. Diese haben sich zum Beispiel erst mal zwei, drei Jahre als Taxifahrer durchgeschlagen“, erzählt er. Da habe sich in den letzten Jahren  in der Kirche schon viel getan.

Veränderung trifft die ganze Familie

Für Aufregung sorgte die Geschichte von Marcus und Katharina dennoch – unter anderem in Burkardroth. Doch obwohl es sich die beiden nie hatten vorstellen können, leben Marcus und Katharina heute sogar wieder in der Gemeinde – als verheiratetes Ehepaar mit einer eineinhalbjährigen Tochter und bald einem weiteren Baby im Haus. Wie werden die Leute reagieren? Über diese Frage haben sie sich anfangs natürlich den Kopf zerbrochen. „Als wir uns das erste Mal zu zweit offiziell in Burkardroth in der Öffentlichkeit zeigten“ – das war im Dezember 2014 in der Christmette – „da hat natürlich jeder geguckt, was nur verständlich ist“, erzählt Marcus. Auch für ihn sei dies im ersten Moment komisch gewesen. „Viele sind aber sofort auf mich zugekommen. Und einer hat sogar scherzhaft gemeint ‚Na dann können wir uns ja jetzt duzen‘“, erzählt Marcus. Ob diese Offenheit auf die Allgemeinheit zutrifft, kann er natürlich nicht sagen.  Was er aber sagen kann, ist, dass er seine Entscheidung noch nicht bereut hat. „Vor allem nicht, wenn man jeden Abend beim Nachhause kommen so von der Tochter begrüßt wird“, sagt Markus und beim Anblick der kleinen Magdalena, die gerade zur Tür hereinkommt, breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus.