Illustration: cofeee/fotolia

Zwei Frauen, die Händchen halten und sich in der Öffentlichkeit küssen. Für viele ein Tabuthema. Jule Feyler und Michi Wagner aus Coburg bekommen das öfters zu spüren. Die beiden jungen Frauen haben sich vor drei Jahren ineinander verliebt. Als Michi sich outete waren ihre Eltern anfangs geschockt. Doch am meisten überraschte die Reaktion ihres strenggläubigen Opas.

Zwei Frauen schlendern zusammen durch die Coburger Innenstadt und unterhalten sich. Ein alltägliches Szenario, das niemanden zu interessieren scheint. Plötzlich nimmt ein Mädchen die Hand der anderen und drückt ihr einen leichten Kuss auf den Mund. Schon richten sich alle Blicke auf die Beiden. Zwar ist das Thema Homosexualität eigentlich schon lange in unserer Gesellschaft angekommen. Normal sind gleichgeschlechtliche Paare für viele dennoch noch nicht. Das bekommen auch Jule Feyler und Michi Wagner öfters zu spüren. „Vor allem Ältere verziehen oft das Gesicht oder reden einen dumm von der Seite an“, sagt die 30-jährige Jule. Dabei sei sie niemand, der in der Öffentlichkeit mit seiner Freundin Händchen hält oder sie küsst. Dennoch gebe es überall Leute, die über sie reden und sich das Maul zerreißen – einen Unterschied zwischen Stadt und Land sehen die beiden jungen Frauen, die gemeinsam in Coburg wohnen, dabei nicht.

Die Schale ist egal, wenn das Innere passt.

Jule und Michi haben sich vor drei Jahren beim Studium kennengelernt. Aber wie bemerkt man, dass man sich nicht für Männer, sondern eher für Frauen interessiert?  „Ich habe es nicht bemerkt. Ich bin schon immer nicht an dem Menschen, sondern an dem Kern interessiert. Die Schale ist egal, wenn das Innere passt“, sagt Jule. Ähnlich war es auch für Michi: „Man merkt einfach, wenn man Frauen interessanter findet. Die ziehen einen dann mehr an“, so die 25-Jährige. Und wie weiß man, ob auch das Gegenüber an einem interessiert ist? „Wenn man einen Fühler hat, dann merkt man das“, sagt Jule und lacht. Zwar gebe es in Erlangen auch Kneipen und Discos nur für Lesben oder Schwule. Aber Jule und Michi verstehen nicht, warum man so etwas braucht. „Als Hetero muss man auch suchen bis man den oder die Richtige gefunden hat, das bleibt niemandem erspart.“

Vor drei Jahren haben sich die beiden Frauen kennen und lieben gelernt. Eine nicht gerade einfache Zeit. „Ich habe durch mein Outing Freunde verloren. Aber das ist der Moment, in dem man merkt, wer die echten und wahren Freunde sind“, weiß Michi jetzt. Ihrer Familie hat sie es an Weihnachten gesagt, da alle zusammen waren. „Meine Eltern waren zwar geschockt, aber das hat sich schnell gelegt“, erklärt die 25-Jährige, die aus Forchheim stammt. Die beste Reaktion hatte jedoch ihr strenggläubiger Opa: „Naja dann bekomm ich halt einen Urmel weniger. Na und?“

Jule dagegen hat sich nicht wirklich geoutet: „Ich habe nur gesagt, dass ich eine Freundin habe. Für mich gab es nichts zum Outen, weil es ja nichts anderes ist. Es sollte egal sein, wer an deiner Seite steht. Die Hauptsache ist doch, dass du glücklich bist.“

Offiziell haben die beiden Coburgerinnen von Freunden und Familie nichts Negatives gehört. Die wenigsten hätten aber auch den Arsch in der Hose so etwas öffentlich zu äußern, meint Jule. „Hinter dem Rücken gibt es immer viel Geläster, aber dann weißt du wenigstens, wer deine Freunde sind und wer nicht“, sagt Jule.

Anderen schwulen oder lesbischen Pärchen zu raten, ob und wie sie sich am besten outen, fällt den beiden jungen Frauen schwer. „Raten kann man da niemandem was. Wer sich traut, traut sich und wer sich verstecken will, macht das“, sagt Jule. Schließlich kenne jeder sein Umfeld am besten und könne die Reaktionen einschätzen. Denn bei einem Outing muss man auch mit Kritik umgehen können. Schließlich passe das nicht jedem Freund oder Familienmitglied. Man müsse damit rechnen, dass der ein oder andere möglicherweise aus dem eigenen Leben verschwindet. Es gebe immer noch viele Menschen, die einfach ein eingefahrenes Bild haben. Die werden auch immer Kritiker bleiben. „Es kommt immer der Punkt im Leben, an dem man ein natürliches Selbstbewusstsein bekommt. Spätestens dann weiß man, wie man damit umzugehen hat und ob man sich länger verstellen will oder sein Leben einfach mal lebt“, meint Jule.