Jeden Morgen das Gleiche: Die lästige Suche nach dem Schlüssel oder Geldbeutel und eigentlich bist du eh schon viel zu spät dran. Und nicht zu vergessen: Der Kleiderschrank quillt vor lauter T-Shirts, Blusen, Kleider, Hosen und Röcken über, aber du hast trotzdem nichts zum Anziehen. „Weil man einfach nicht das Passende hat“, meint Marion Beede, Sozialpädagogin und Ordnungscoach aus Erlangen. Sie hat uns einen Blick in ihr Zuhause gewährt.

Für Marion hat sich nach ihrem langjährigen Aufenthalt in Japan und ihrer späteren Ausbildung zur Feng Shui Beraterin eine Sache stark verändert: der Blick auf die vielen Gegenstände, die sie besitzt. „Ich fand den minimalistischen Einrichtungsstil und die Architektur in Kyoto sehr faszinierend und anregend“, erzählt sie. Damals entdeckt sie die fernöstliche Zenphilosophie mit den Grundprinzipien Gleichgewicht, Harmonie und Einfachheit für sich. „In dem sparsam eingerichteten Schlafzimmer war tatsächlich nur eine Reisstrohmatte und vielleicht noch ein Bild“, erinnert sie sich zurück. „Da ist einfach nicht alles so vollgestopft.“

Zu viele Dinge im Haus? Weg damit!

Keine Unordnung im Zuhause – das ist ihr wichtig. Foto: Theresa Schiffl

In Deutschland hat sich mit ihren drei Kindern im Laufe der Zeit einiges angesammelt. Vieles davon, dachte sie damals, sei für das Wohl der Familie notwendig. Irgendwann kam jedoch wieder das Gefühl einfach zu viel zu besitzen. Der ausschlaggebende Impuls in ihrem Zuhause etwas zu verändern, kam dann 2003 nach ihrer zweijährigen Fachausbildung zur Feng Shui Beraterin. Dabei lernte sie viel über die Gestaltung von Wohnräumen. „Räume und wie sie aussehen beeinflussen uns, ob sie unordentlich sind und überall Zeitschriften oder sonstiges verstreut ist oder aber ob genügend Raum und Ordnung herrscht. All das beeinflusst uns. Wir spüren sofort, ob wir uns wohlfühlen oder nicht“, erklärt die dreifache Mutter.

Danach änderte sich in ihrem Heim einiges: Möbel wurden umgestellt, um mehr Raum zu schaffen und natürlich vieles ausgemistet. In ihrem Haus in Erlangen leben sie noch immer zu fünft, was aber nun kaum zu merken ist. „Ich habe davor nicht aufgeräumt“, sagt sie und lacht. „Das ist sehr wichtig, damit die Ordnung auch weiterhin bleibt.“ Zudem erleichtere es den Alltag enorm, da lästiges Suchen ausbleibe.

Alles muss sinnvoll sein

„Zu viele Dinge zu besitzen ist negativ“, meint sie. Daher hat ihre Homepage auch den Namen „aufgeräumt – Für Klarheit, Wandlung und Balance im Leben.“ Als Ordnungscoach hat sie ihrem Haushalt nur noch das, was sie wirklich braucht. „Ungefähr fünf Prozent in unserem Haus nutzen wir nicht. Wir haben diese Dinge nur, weil wir sie schön finden, aber selbst dann erfüllen sie eine Aufgabe: Sie sorgen dafür, dass wir uns wohlfühlen.“ Sie zeigt auf eine Glasvitrine in der Erinnerungsstücke aus Japan und von ihren Eltern stehen. „Sie sind zum einen einfach schön anzusehen, aber wir benutzen sie auch teilweise.“ Wenn Gegenstände jedoch einfach nur da sind und keinen Zweck erfüllen, dann seien sie sinnlos, so Marion.

Das sei auch eine wichtige Erkenntnis, um Ordnung in den Kleiderschrank zu bekommen. Aber Marion kann noch ein paar weitere Tipps mit an die Hand geben: „Wichtig ist, dass du dir jedes einzelne Kleidungsstück ansiehst und dir gezielt ein paar Fragen dazu stellst, die die Entscheidung zum Aussortieren erleichtern.“

Entscheidungsfragen, die du dir beim Ausmisten stellen solltest:

  1. Wann und zu welchem Anlass habe ich es gekauft?
  2. Steht es mir und passt es mir noch?
  3. Trage ich es auch noch gerne und wann habe ich es zuletzt getragen oder gebraucht?
  4. Warum trage ich manche Kleidungsstücke viel öfters als andere?
  5. Würde ich es mir nochmal kaufen?
  6. Passt es noch zu mir und meinem jetzigen Leben?

An ihrem eigenen Kleiderschrank erklärt sie einige grundlegende Ordnungsregeln. „Ich finde, dass einheitliche Kleiderbügel schon einmal sehr viel Ruhe

Zu viele Dinge im Haus? Weg damit!

Grundlegende Ordnungsregeln für den Kleiderschrank. Foto: Teresa Schiffl

ausstrahlen. Ich habe meine Kleidung auch nach Farben sortiert“, erklärt sie. Die Kleider nach Farben zu sortieren, sei jedoch Geschmackssache. „Außerdem ist es sinnvoll, wenn du dir eine Basisgarderobe mit qualitativ hochwertiger Kleidung, die sich gut kombinieren lässt, zulegst.“Sinnvoll findet sie es auch, wenn du mit einer guten und vor allem ehrlichen Freundin aussortierst und zusammen einkaufen gehst. Eine Stilberatung vermeide ebenfalls Fehlkäufe. „Teilweise wird unser Konsumverhalten enorm durch irgendwelche Trends beeinflusst. Dadurch entstehen oft Fehlkäufe und das passiert nicht, wenn du dir einmal eine professionelle Stilberatung gönnst“, rät sie. Das koste zwar im ersten Moment mehr, würde sich aber auf lange Sicht lohnen, da so eben unnütze Käufe vermieden werden.

Worüber du dir auch im Klaren sein müsstest, sei, dass nur ungefähr ein Drittel der Kleidung getragen werde, legt Marion dar. Deshalb sei es sinnvoll, zweimal im Jahr auszumisten – am besten bei Jahreszeitwechsel. „Selten genutzte Kleider wie Abendkleider und saisonale Kleidung solltest du ebenfalls separat aufbewahren. Das schafft Platz und Übersicht.“

Weitere Tipps, wie du deine Kleidung sinnvoll aufbewahrst:

  • Kleidung nicht hintereinander stapeln: Die hinteren Teile geraten in Vergessenheit und werden nicht mehr angezogen
  • Für die Kleidungsstücke genügen Platz lassen und nichts quetschen
  • Kaputte Kleider zu Änderungsschneiderei bringen oder selbst reparieren
  • Schuhe in einem Schuhschrank oder stapelbaren Boxen aufbewahren (durchsichtige sind optimal, ansonsten sollten die Boxen beschriftet werden)
  • Gürtel und Schals über eine Stange hängen, die an die Wand des Kleiderschranks montiert wird
  • Socken lassen sich bestens zusammengerollt in kleinen Unterteilern in der Schublade aufbewahren
Zu viele Dinge im Haus? Weg damit!

Ordnung ist sofort spürbar. Foto: Teresa Schiffl

Das Gute beim Ordnen ist: Es ist einfach anzufangen, kostet kein Geld und es werden keine Geräte benötigt. „Wichtig ist nur, dass du damit anfängst und etwas tust“, erklärt sie. „Die Veränderung ist außerdem sofort spürbar und du fühlst dich leichter.“ Denn Gegenstände haben ihrer Meinung nach teilweise zu viel Macht über uns, da alles Energie ausstrahlt. Das könne sogar zu gesundheitlichen Problemen führen.Wie geht es aber weiter, wenn der Kleiderschrank endlich ordentlich ist? „Die Dinge wieder an ihren festen Platz aufräumen, nachdem du sie benutzt hast. Das ist eine reine Gewohnheitssache.“ Jeder müsse seinen ganz persönlichen Ordnungsstrategien und Routinehandlungen finden. Außerdem sollest du deine persönlichen Stärken und Schwächen sowie finanzielle und zeitliche Vorgaben berücksichtigen. „Das ist wichtig, wenn du die Ordnung weiterhin haben willst.“ Marion empfiehlt ungefähr ein bis zwei Stunden zum Ausmisten. Hauruck-Aktionen funktionieren nicht, weiß der Ordnungscoach. „Danach bist du nur müde und frustriert.“

„Vielleicht nimmst du auch andere Bereiche in der Wohnung oder im Alltag genauer unter die Lupe, wenn der Kleiderschrank ordentlich ist. Irgendwann weißt du einfach, was du willst und was nicht“, sagt Marion und lächelt. Sie hat für sich durch mehr Ordnung und weniger materiellen Besitz eine innere Zufriedenheit erlangt.

Doch ist Zucker wirklich so gefährlich? Wir haben bei einer Expertin nachgefragt und die Antwort liest du hier.