Im Schnitt isst jeder deutsche gut 16 Teelöffel Zucker am Tag. Viel zu viel. Ganz anders sieht das bei Jenny und Uwe Schüler aus Reckendorf und Kathrin Neder aus Kronach aus: Sie ernähren sich ganz ohne Zucker und haben uns erzählt, wie diese Umstellung ihr Leben verändert hat.

Zucker adé - ein Leben ohne das süße Gift!

Jenny gibt Haferflocken in ihren Brotteig. Foto: Lisa Kieslinger

Jenny gibt fünf Eier in eine Schüssel und mahlt mit ihrer Küchenmaschine die Leinsamen zu Mehl. Nach acht Sekunden ist aus den kleinen braunen Körnern ein feines Mehl entstanden, das die 46-Jährige zu den verquirlten Eiern gibt. „Und jetzt können wir uns noch fünf weitere Zutaten aussuchen, die in unser Brot kommen sollen“, sagt Jenny und lacht. Man merkt ihr direkt an, wie viel Spaß es ihr macht, in ihrer Küche zu werkeln. Jenny zerkleinert Walnüsse in ihrer Hand und gibt sie unter die Teigmischung. Danach kommen noch Pekannüsse, Haferflocken und eine Gewürzmischung aus Zimt und Kurkuma dazu. Ein Schuss Apfelessig und schon ist der Teig fertig. Noch 25 Minuten bei 160 Grad auf den Grill und fertig ist das selbstgebackene Brot – und das ganz ohne Zucker.

Jenny und ihr Mann Uwe leben seit vier Jahren zuckerfrei. „Unsere Tochter wollte damals mal 30 Tage auf Zucker verzichten. Anfangs haben wir eigentlich nur darüber gelacht“, erzählt die 46-Jährige. Doch ihre Tochter zog es durch und machte ihre Eltern neugierig. „Wir waren dann im Supermarkt einkaufen und haben bewusst geschaut, welche zuckerfreien Lebensmittel wir kaufen können. Nach einer Stunde sind wir gegangen – ohne ein Produkt im Wagen zu haben“, erzählt die Reckendorferin. In fast jedem Produkt ist Industriezucker verarbeitet. Auf der Verpackung ist das nicht immer direkt ersichtlich. Dextrose, Maltrose, Saccherin – das alles sind andere Begriffe für Zucker. „Das haben wir anfangs auch nicht gewusst. Wir mussten uns da wirklich viel belesen“, erzählt Uwe. In seinem Kopf hat sich dann besonders ein Punkt festgesetzt: Zucker ist der Nährboden für Krankheiten und besonders für Krebserkrankungen – für Uwe war das der größte Anreiz, den industriellen Zucker aus seinem Leben zu verbannen.

Aller Anfang ist schwer

„Am Anfang war ich manchmal sehr verzweifelt, weil ich einfach nicht wusste, was ich noch kochen soll“, erzählt Jenny. Doch mit der Zeit und viel Recherche haben die Schülers ihren Weg gefunden: „Wir haben alle Lebensmittel, die nicht besonders gut für uns waren nach und nach aus unserem Leben verbannt“, so Jenny. „Wir sind da langsam reingewachsen“, ergänzt ihr Mann. Was mit dem Zucker im Kaffee angefangen hat,  hat sich immer mehr gesteigert. Mittlerweile findet man bei den Schülers keine Lebensmittel mit industriellem Zucker mehr.

Zucker adé - ein Leben ohne das süße Gift!

Kathrin Neder aus Glosberg ist auch auf die zuckerfreie Ernährung umgestiegen. Foto: privat

Kathrin Neder aus Glosberg im Landkreis Kronach hatte da eine ganz andere Herangehensweise. „Für mich als Zuckerfreak war es wichtig, den Zucker von einem Tag auf den anderen komplett aus meinem Leben zu verbannen. Wenn ich sonst  etwas Süßes gegessen hätte, wäre das eskaliert“, sagt die 29-Jährige und lacht. Schließlich hat sie sonst immer eine Tafel Schokolade gegessen – am Tag. „Wir hatten auch bei Spaziergängen oder Ausflügen immer einen Schokoriegel dabei. Den brauchte ich, um meinen leeren Akku wieder aufzufüllen.“ Die Umstellung Anfang dieses Jahres war für Kathrin deshalb enorm schwer. „Zucker war für mich wie eine Sucht. Und ich habe da im Grunde genommen einen kalten Entzug gemacht – ähnlich wie bei einem Alkoholiker“, erzählt sie. Die ersten drei bis vier Tage war es sehr schwer. „Ich war unausstehlich.“ Doch Kathrin zieht es durch – für ihre Gesundheit. Acht Tage im Monat leidete die 29-Jährige an starken Migräneanfällen, die immer schlimmer wurden. Die klassischen Medikamente haben enorm viele Nebenwirkungen und verschlimmern die Situation oftmals noch. Die Lebensqualität war gleich Null. In einem Artikel hat Kathrin dann gelesen, dass sich die Migräne bei einem Betroffenen gebessert hat, als er auf zuckerfreie Ernährung umgestiegen ist. Seit Anfang des Jahres ist auch sie auf die sogenannte ketogene Ernährung umgestiegen. Neben industriellen Zucker verzichtet man dabei auch auf Fruchtzucker, der in sämtlichem Obst enthalten ist. Auch die Schülers steigen zwischendurch immer mal wieder auf die ketogene Ernährung um.

Gibt es auch manchmal Ausnahmen?

Aktuell verzichten Jenny und Uwe nur auf den industriellen Zucker. Kuchen süßen sie bei Bedarf beispielsweise mit Karotten, Äpfeln oder Datteln. „Zuckerfrei heißt absolut nicht, dass man auf irgendetwas verzichten muss“, erklärt Jenny. Doch Essen gehen und die zuckerfreie Ernährung einhalten, ist kaum möglich. „Ab und an machen wir das trotzdem, aber das sind dann Ausnahmen“, erzählt Uwe. Doch auch beim Auswärtsessen essen achten die beiden darauf, das geringste Zucker-Übel auf der Karte zu wählen.

Auch bei Kathrin gibt es ab und an mal eine Ausnahme. Erst letzte Woche hat sie sich gemeinsam mit ihrem Freund eine Kugel Eis geholt. „Es hat mir einfach nicht geschmeckt, es war so wahnsinnig süß. Das war für mich das Erlebnis, an dem ich gemerkt habe, dass ich das überhaupt nicht mehr brauche“, erzählt die 29-Jährige. Selbst eine Wassermelone ist ihr mittlerweile zu süß.

Dieses Gefühl kennen auch die Schülers nur zu gut. Eine Kollegin von Jenny hat letztens Kuchen mit auf die Arbeit gebracht, von dem die 46-Jährige ein Stück gegessen hat – etwas, was es bei ihr seit langem nicht mehr gab. „Für mich schmeckt das einfach nur nach Industrie, deswegen fällt es mir mittlerweile überhaupt nicht schwer, bei einem Kuchenbuffet glücklich Nein zu sagen.“

Das Ergebnis ist verblüffend

Zucker adé - ein Leben ohne das süße Gift!

Seit knapp vier Jahren lebt das Paar zuckerfrei – ohne auf etwas verzichten zu müssen. Foto: Lisa Kieslinger

Das Ehepaar lebt nun seit knapp vier Jahren ohne Zucker, Kathrin und ihr Freund gute sechs Monate – doch macht sich der Zuckerverzicht überhaupt bemerkbar? „Es ist einfach ein wahnsinniges Lebensgefühl, was uns die Ernährungsumstellung gegeben hat“, erklärt Jenny, der es am Morgen viel einfacher fällt, aufzustehen. „Ich muss nicht mehr jeden Morgen die Diskussion mit meinem Wecker führen und ich habe den ganzen Tag über viel mehr Energie“, erzählt Jenny. Krank sind die Schülers in den letzten vier Jahren auch nicht mehr gewesen. „Diese ständigen Ups and Downs sind weg“, ergänzt Uwe. Und das beobachtet Kathrin auch bei sich. „Nach der Mittagspause bin ich wie  ein Zombie durch die Firma gelaufen auf der Suche nach einem Stück Schokolade, das mich aus meinen Mittagstief holt. Ich war  oftmals sehr gereizt“, erinnert sich die 29-Jährige. Nach sechs Monaten ohne Zucker ist ihr ständiges Verlangen nach Essen weg, sie ist viel entspannter, ihre tiefen Augenringe sind weg und das Beste: Ihre Migräne-Anfälle haben sich von acht Tagen im Monat auf zwei reduziert. „Die zuckerfreie Ernährung hat mir eine ganz andere Lebensqualität geschenkt.“

Für die Schülers und Kathrin ist klar: Sie werden die zuckerfreie Ernährung auch weiterhin so beibehalten. „Wir ärgern uns eigentlich nur, dass wir das nicht viel früher entdeckt haben“, sagt Uwe. „Viele meinen ja immer, wir müssten durch die zuckerfreie Ernährung auf so vieles verzichten. Aber eigentlich ist das gar kein Verzicht, sondern viel mehr ein Gewinn“, so Jenny.

Doch ist Zucker wirklich so gefährlich? Wir haben bei einer Expertin nachgefragt und die Antwort liest du hier.