„Leony la Roc“ und Mario aus dem Landkreis Nürnberg lieben ihren Körper und sie zeigen ihn gerne – für Geld. Die Burlesque-Tänzerin und der Stripper berichten von Eifersucht im Beruf, eindeutigen Angeboten nach den Shows und stolzen Eltern.

„If you’re horny.“ Die Hüfte schwingt wellenförmig vor und zurück. Wieder und wieder und wieder. „Let’s do it.“ Die Hose gleitet stückchenweise runter. Die Münder sind offen. „Ride it.“ Öl gleitet ganz langsam die nackte Brust runter – einen Bauchmuskel nach dem anderen. „My pony.“ Fast nackt steht Mario vor einer kreischenden Frauengruppe. Nur ein kleines Stück Stoff verdeckt sein Glied.

Zum Ausziehen berufen: Eine Burlesque-Tänzerin und ein Stripper über ihren Job

Mario aus Nürnberg arbeitet seit zehn Jahren als Stripper. Foto: privat

„Stripper wird man nicht so, das ergibt sich einfach“, sagt Mario. Seit zehn Jahren zieht er sich für Geld aus – mit 17 Jahren steht er bereits als Gogo-Tänzer auf der Bühne vom Coyote-Club in Nürnberg. Über einen Freund, der ebenfalls Stripper und Tänzer ist, gelangt er in die Szene. Seine Eltern wissen nichts von dem lukrativen Nebenverdienst ihres Sohnes. Zunächst. „Ich habe meine Jeans, Manschetten und Ketten immer in einem Rucksack im Keller versteckt. Eines Tages hat mein Vater den Rucksack gefunden.“ Marios Eltern packen den Inhalt ahnungslos aus. Was sie entdecken, schockiert sie. Ist mein Kind ein Gigolo? Diese Frage kreist sofort in ihren Köpfen.

Polizist, Bauarbeiter, Gentleman: Strippen ist vielseitig

„Meine Eltern sind dann in die Bar mitgekommen und haben sich ein Bild von meiner Arbeit gemacht. Meine Mutter ist bis heute nicht begeistert. Mein Vater war am Anfang skeptisch, fährt mich jetzt sogar zu meinen Shows.“ Die Arbeit als Gogo-Tänzer hat Mario vor Jahren hinter sich gelassen. Stattdessen arbeitet er nun als Stripper. Vier bis fünf Mal die Woche schlüpft er dafür in die Rolle des Polizisten, des Bauarbeiters, des Gentleman. „Als Stripper hat man weniger Aufwand und verdient mehr Geld. In Bayern sind Männer, die strippen, Mangelware. Keiner traut sich, das zu machen“, erklärt er. Denn ein Strip bedeutet nicht nur, sich vor fremden Frauen auszuziehen. Der 27-Jährige trainiert vier bis fünf Mal die Woche und achtet strikt auf seine Ernährung. „Ich brauche eine Form, die Frauen sehen wollen. Sie wollen nicht das, was sie täglich zu Hause beim Partner sehen. Außerdem muss man selbstbewusst und diszipliniert sein, braucht Nerven aus Stahl und darf keine Hemmungen haben.“

Mario selbst war sechs Jahre lang in einer festen Beziehung. Sein Nebenjob war immer ein Streitthema. „Meine Ex-Freundin hat mich schon als Stripper kennengelernt. Ich war ihr immer treu, wollte aber nicht auf den Verdienst verzichten.“ Für seine Ex-Freundin lehnte er sogar Auftritte in Nürnberg ab. „Eines Tages hatte ich eine Show und das war zufällig die Arbeitskollegin meiner Freundin. Sie hat ihr im Nachhinein dann die Bilder vom Stripper gezeigt und meine Freundin musste ihr sagen: Das ist mein Freund. Das ist wirklich doof gelaufen.“

Zum Ausziehen berufen: Eine Burlesque-Tänzerin und ein Stripper über ihren Job

Leony la Roc kann sich ein Leben ohne Burlesque nicht vorstellen Foto: Karim Kahtan/Scope Intermedia

Aber nicht nur die Ex-Freundin von Mario hatte so ihre Schwierigkeiten, die erotischen Tanzeinlagen ihres Partners zu akzeptieren. „Ein Typ ist ausgerastet und auf mich los, weil er es zu persönlich genommen hat, dass ich seine Partnerin angetanzt habe. Deswegen sind Junggesellinnenabschiede einfacher, da sind die Männer nicht dabei.“ Manche Kundenwünsche sind so ausgefallen, dass Mario sie von vorneherein ablehnt. Andere bringen ihn ins Schwitzen – aber nicht aufgrund seiner Arbeit. „Ein Mann hat mich mal für seine Frau gebucht, in einem Swinger-Club. Das war schon sehr speziell, ich war noch nie in so einem Club. Die Kunden fanden die Show dann auch zu lasch. Aber ich war einfach überfordert, das war einfach nicht mein Metier.“

Was bei der Strip-Show auf keinen Fall fehlen darf

Damit die Show ein voller Erfolg wird, sind zwei Sachen entscheidend: laute Musik und ein gutes Publikum. „Es ist wichtig, dass die Frauen einheizen. In der Regel trauen sie sich aber nicht an mich ran, sind schüchtern. Die Braut ist meistens auch nervös. Gefällt ihr die Überraschung nicht, nehme ich Abstand von ihr und tanze alleine. Als Gogo-Tänzer habe ich gelernt, mich ohne Frau auszuziehen.“ Mario selbst ist während der Show nicht erregt. Er habe nicht einmal die Möglichkeit dazu, sagt er. „Ich muss mich fokussieren. Während einer Einlage wird er eher kleiner als größer unten.“ Das Aussehen der Frau spiele dabei auch keine Rolle. „Egal ob dünn, wenig attraktiv, dick, groß – Es ist mir gleich, ich will einfach nur eine gute Show machen.“

Doch einige Kundinnen erhoffen sich von Mario mehr als nur einen Strip. „Es kommt häufig vor, dass ich im Anschluss Nachrichten erhalte“, sagt der 27-Jährige. Doch auch wenn er davon überzeugt ist, dass sich sein Nebenjob nicht dafür eignet, eine Frau ernsthaft kennenzulernen, freut er sich: „Letztes Jahr ist mir bei einer Show eine Frau ins Auge gestochen. Sie hat mich dann im Internet gefunden und angeschrieben. Das war einfach Schicksal.“ Von seiner Frau würde Mario es unter anderem abhängig machen, wann mit dem Nebenjob „Stripper“ Schluss ist. „Ich habe immer gesagt, meine Deadline ist, wenn meine Freundin schwanger ist oder mein Arbeitgeber damit ein Problem hat. Ich habe aber das Gefühl, dass es sich in ein bis drei Jahren erledigt haben wird.“

Zum Ausziehen berufen: Eine Burlesque-Tänzerin und ein Stripper über ihren Job

Aufwändige Garderobe: Burlesque-Tänzerin Leony la Roc Foto: Karim Kahtan/Scope Intermedia

Ein Leben ohne Burlesque ist für „Leony la Roc“ undenkbar. Seit acht Jahren zelebriert sie ihren Körper vor Publikum und feiert ihre sexuelle Freiheit auf der Bühne. Anders als Mario entkleidet sie sich aber nie. „Das Höschen bleibt an und die Brustwarzen sind durch sogenannte Pasties bedeckt“, erklärt die 32-Jährige. An Erotik fehle es ihrer Show dadurch aber nicht. „Ich stelle mich beispielsweise neben einen Zuschauer mit meinem Dekolleté und streife mit meinen Fingern darüber. Das hat so viel mehr erotische Wirkung, als einfach den Kopf zwischen die Brüste zu stecken.“

Bühnen-Erotik als Ventil

Angst davor, nackt zu sein, verspürt „Leony la Roc“ nie. Sie würde sich selbst als exhibitionistisch veranlagt beschreiben. „Auf der Bühne kann ich die Erotik komplett ausleben und habe dort mein Ventil gefunden.“ Ab und an schreiben auch sie Männer über Facebook oder Instagram an – diese Angebote lehnt sie aber immer freundlich ab. Denn: Die 32-Jährige ist seit fünf Jahren in einer festen Beziehung. Ihr Partner lernte sie bereits als Burlesque-Tänzerin kennen und unterstützt sie seitdem. „Er ist ein fantastischer Saxophonist und wir bieten auch gemeinsame Shows an. Ich kann aber direkt sagen, dass ich niemals für einen Mann meine Leidenschaft aufgeben würde“, betont die hübsche Blondine.

Da „Leony la Roc“ überwiegend weibliche Fans hat und der Körperkontakt zum Publikum nicht im Vordergrund steht, ist Eifersucht bei ihren Shows kein Thema. „Ich stehe alleine auf der Bühne. Es wird kein männlicher Gast auf die Bühne geholt. Maximal wird mal ein Mann dazu animiert, mir den Handschuh auszuziehen.“ Die Frauen erfreuen sich vielmehr an den schönen Details der Kostüme, die in Zusammenarbeit mehrere Designer entstehen. „Es ist ein wunderschönes Gefühl so schöne Kleider zu tragen, den Raum zu betreten, die Leute zu beobachten, wie sich einer nach dem anderen umdreht und sie beginnen zu applaudieren. Es ist manchmal, wie in eine Traumwelt einer Prinzessin einzutauchen“, betont die 32-Jährige, die viel reist und beispielsweise auf Schlössern auftreten darf – Orte, die sie vor ihrem Beruf als Burlesque-Tänzerin zuvor niemals betreten hat.

Zum Ausziehen berufen: Eine Burlesque-Tänzerin und ein Stripper über ihren Job

Stripper Mario aus Nürnberg Foto: privat

Die ehemalige Diplomfachwirtin merkte schnell, dass ein solider Beruf nichts für sie ist. Fasziniert von Dita von Teese, beschließt sie sich als Tänzerin und Model selbstständig zu machen. „In meinem alten Beruf hatte mir der Raum für Kreativität gefehlt. Meine Mutter stand vom ersten Tag an meiner Seite. Mein Vater fiel es anfangs schwer zu akzeptieren, dass ich keinen normalen Berufsweg gewählt habe.“ Doch die erste Angst legt sich, mittlerweile sei die ganze Familie auf sie stolz – sogar die 92 Jahre alte Oma. Und als Performerin der Nürnberger Agentur „dirty-showgirls“ kann sie gut von ihrer Arbeit leben. Ihr Können trainierte sich die Blondine hart an. „Heutzutage gibt es Workshops, aber die meisten Burlesque-Tänzerinnen haben bereits in ihrer Kindheit getanzt oder eine Schauspielausbildung hinter sich, wie ich auch. Ansonsten heißt es learning by doing und vor dem Spiegel üben.“ Ein Ende ist für „Leony la Roc“ nicht in Sicht. Schließlich passe Burlesque besser zu reiferen als jüngeren Frauen. „Ich versuche aus Leony la Roc eine Marke zu machen, sodass man mich auch noch im hohen Alter sehen möchte. Ansonsten ist mein ganz klares Ziel auch als Saxophonistin in Burlesque-Kostümen zu arbeiten.“